Baumwissen

Baum des Jahres 2023: Moorbirke – Betula pubescens

Birken in einer Sumpflandschaft
pixabay

Wie es der Name schon verrät, sie liebt es sumpfig, die Moorbirke (Betula pubescens). Zu finden ist sie daher in Moor- und Bruchwäldern, Auenwäldern, Weidensümpfen und feuchten Waldlichtungen. Die Baum des Jahres Stiftung hat das Pioniergehölz zum Baum des Jahres 2023 gewählt. „Moore sind für die Bindung von CO2 wichtig und ein Zuhause für seltene Arten“, begründet Stefan Meier, Präsident der Baum des Jahres Stiftung, die Wahl. Mit der Moorbirke werde ein Baum geehrt, der daran erinnere, wie wichtig es ist, Moore zu schützen und wiederzuvernässen.

Wissenswert: Einjährige Triebe, Blätter und auch die Rinde bei jungen Pflanzen sind von einem zarten Haarflaum überzogen. Daher ist die Moorbirke auch unter den Namen Haar-Birke, Behaarte Birke oder Flaumbirke bekannt. Weitere spannende Fakten rund um den Baum des Jahres 2023 erfahren Sie hier!

Moorbirke: die Extreme

Die Moorbirke gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie verleiht Moorwäldern den typischen Charakter, ist aber nicht auf sie beschränkt. Sie gedeiht ebenfalls auf mineralischen Feuchtstandorten. Als anspruchsloses, schnell wachsendes Pioniergehölz besiedelt sie auch Kahlschläge und Brandflächen. Besonders die für die Konkurrenz meist zu sauren Moorböden sind für die Betula pubescens kein Problem. Auch mit Nährstoffarmut und Kälte kommt sie zurecht. So hält sie Temperaturen bis zu minus 40 Grad Celsius aus. Ihr Trick: Sie wandelt die in ihren Zweigen enthaltene Stärke in Öl um und setzt dadurch Wärme frei.

Sehr saure, kalkarme, luftarme, nasse Extremstandorte hält der Baum des Jahres 2023 ebenfalls aus. Hell sollte es allerdings sein. Etwa 57.000 Hektar der Waldfläche Deutschlands sind mit Moorbirken bewachsen. Damit zählt sie zu den eher seltenen Baumarten.

Verbreitung

Verbreitet ist die Moorbirke in den gemäßigten Klimazonen von Mitteleuropa, Asien und Skandinavien bis hin zum Kaukasus sowie in Island. Man findet sie meist in der Nähe der Baumgrenze. Sie gilt als nördlichste Baumart Europas. Sie ist sowohl im Flachland, in den Tundren Nordeuropas, als auch in Höhenlagen bis zu 2000 Metern zu finden, unter anderem im Alpenraum.

In Deutschland findet man den Baum des Jahres 2023 nur noch vereinzelt und an den Rändern von Mooren. Moorbirkenwälder sind hierzulande stark gefährdet und deshalb gesetzlich geschützt. Meist tritt die Moorbirke mit anderen Arten vergesellschaftet auf, wie Heidel- und Rauschbeeren, Torfmoosen, Wollgräsern und Seggen. In Mischwäldern findet man sie oft im Verbund mit Hängebirke, Esche, Vogelbeere, Zitterpappel, Erlen oder Flatterulme. Von der viel weiter verbreiteten Hängebirke unterscheidet sie sich vor allem durch ihre Blattform, den aufrechten Wuchs der Zweige und die sich im höheren Alter ins Rötliche verfärbende Rinde.

Moorbirke und ihr Wuchs

Bei der Moorbirke handelt es sich um einen sommergrünen Laubbaum. Im Flachland kann sie sich zu einem stattlichen Baum entwickeln. In subalpinen oder alpinen Lagen findet man sie als kleinen Strauch oder Gebüsch. Die durchschnittliche Baum-Höhe beträgt circa 20 Meter. Moorbirken können etwa 100 Jahre alt werden.

Weiße Rinde schützt vor Sonnenbrand

Die Moorbirke bildet eine eher unregelmäßige, ovale, eher schmale, offene Krone. Auffällig ist die zunächst grauweiße Rinde, die in dünnen Streifen abblättert. Verantwortlich für die weiße Farbe ist der Rindeninhaltsstoff Betulin. Er bewahrt die besonders dünne Borke der Moorbirke vor Rindenbrand. Sonnenstrahlen und deren Reflexion von den Schneeflächen im nördlichen Verbreitungsraum des Baums würden sonst zu Verletzungen führen. Außerdem ist die Rinde mit langen quer verlaufenden Korkwarzenbändern bedeckt. Erst im Alter entwickelt sich eine schwarze rissige Borke.

Die Moorbirke hat ein Herzwurzelsystem. Mit dem überdurchschnittlich langen Seitenwurzeln kann sie sehr viel Regenwasser in kurzer Zeit aus dem Boden aufnehmen. Sie besitzt eine sehr hohe Wasserdurchflussrate. Durch die Symbiose mit einem Mykorrhiza-Pilz an den Feinwurzeln gelingt eine äußerst effiziente Nährstoffaufnahme.

Waagerechte und aufrechte Zweige

Im Gegensatz zur Hängebirke hat die Moorbirke aufrechte oder waagerechte, nicht überhängende Zweige. Die grünen, wechselständig angeordneten Blätter sind herzförmig mit kurzer Spitze, nah an der Raute. Sie haben einen gesägten Blattrand und verfärben sich im Herbst leuchtend gelb. Die Blattnerven sind an der behaarten Unterseite gut erkennbar. Die Moorbirke ist einhäusig getrenntgeschlechtig, das heißt, sie hat sowohl männliche (hängende) als auch weibliche (aufrechte) Blüten in Kätzchenform. Die Blüte dauert von April bis Mai, die geflügelten Nussfrüchte reifen etwa ab August.

Die Moorbirke produziert extrem viele Samen, um die Erfolgschancen bei der Besiedelung von Rohböden und Freiflächen zu maximieren. So kann es vorkommen, dass unter günstigen Bedingungen pro Baum etwa vier Kilogramm Samen gebildet werden. Einmal losgeflogen, ist eine Samendichte von etwa 50.000 Samen pro Quadratmeter keine Seltenheit. Einzelne Pollenkörner können Entfernungen von bis zu 2000 Kilometern zurücklegen.

Pflege und Schnitt

Die Moorbirke eignet sich für feuchte Standorte im Garten gut. Dabei ist sie sehr pflegeleicht. Düngen ist nicht notwendig, Kompostgaben können allerdings für den Blattwuchs anregend wirken und den Baum des Jahres 2023 resistenter gegen Krankheiten machen. In der ersten Zeit nach dem Anpflanzen sollte auf eine ausreichende Bodenfeuchte geachtet werden.

Ein Schnitt ist grundsätzlich nicht erforderlich. Stehen doch einmal Schnittmaßnahmen an, empfiehlt es sich, diese im Spätsommer durchzuführen. Im Frühjahr blutet das Gehölz zu stark. Sollen für einen höheren Kronenansatz direkt am Stamm Triebe entfernt werden (Aufasten), sollte auch dies besser im Spätsommer geschehen. Dabei muss unbedingt auf Astring geschnitten werden, um Verletzungen und spätere Schäden zu vermeiden. Ein professioneller Baumpfleger kann hier mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Kaum Schädlinge und Krankheiten

Die gute Nachricht: Natürliche Schädlinge hat die Moorbirke so gut wie kaum. Birkenwanzen treten häufig auf, stellen aber kein Problem dar. Bei Trockenstress hat sie mit Blattläusen und Schildläusen zu kämpfen. Allerdings ist die Moorbirke wegen ihrer zarten, weichen Triebe attraktiv für Wild. Um Verbissschäden vorzubeugen, werden Moorbirkenwälder daher oftmals eingezäunt.

Blatt-Nekrosen können auftreten. Dabei zeigen sich etwa zwei bis fünf Millimeter große, rotbraune Flecken mit dunklem Rand an den Blättern. Verursacht werden sie durch den Pilz Massinina betulae. Bei starkem Befall können Blattdeformationen die Folge sein. Ein einmaliger Befall ist in der Regel harmlos.

Ökologisch bedeutsam für Flora und Fauna

Klimaschützer, Wasserspeicher und einzigartiger Lebensraum: Moore sind ökologisch sehr bedeutsam. Sie speichern mehr Wasser und Kohlendioxid als jedes andere Ökosystem und sind Lebensraum für eine Vielzahl von Arten, die nur unter diesen speziellen Bedingungen gedeihen. Trocknen die Moore aus, verschwindet dieser ersatzlos und mit ihm die besondere Flora und Fauna.

Die Moorbirke leistet einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt dieses speziellen und einzigartigen Lebensraumes. Denn für viele seltene Arten bildet ihre Existenz die Lebengrundlage.

So leben mehrere Pilzarten in einer Symbiose mit dem Baum des Jahres 2023 wie der Vielfärbende Raufußröhrling, Raustielröhrling und Birken-Spei-Täubling. Zudem sind Moorbirkenwälder Lebensraum für viele Arten, die sich zwar nicht direkt von der Moorbirke ernähren, aber auf die speziellen Bedingungen im Lebensraum Moorbirkenwälder angewiesen sind. Zu diesen gehört beispielsweise die Birkenmaus.

Ein Weiher in einer Moorlandschaft mit Birken, Torfmoosen und Wollgräsern
Moorlandschaft mit Birken und Torfmoosen und Wollgräsern – pixabay

Nahrungsquelle für 30 Vogelarten

Für etwa 30 Vogelarten und einige Hunderte Insektenarten ist die Moorbirke eine wichtige Nahrungsquelle. Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beispielsweise für Rauhfußhühner wie Birkhuhn, Haselhuhn und Auerhuhn. Diese ernähren sich sowohl von Birkenkätzchen als auch von ihren Knospen. Auch für Singvögel wie Erlenzeisig, Birkenzeisig und Polarbirkenzeisig sind Kätzchen, Knospen und Samen wichtige Futterquelle.

Wichtiger Lebensraum für Zikaden und Käfer

Vor allem für spezielle Zikaden-Arten wie die Torf-Glasflügelzikade und die Moor-Feuerzikade sowie die Moorbirken-Würfelzikade sind Moorbirken unverzichtbarer Lebensraum. Auch seltene Blatt- und Rüsselkäfer leben ausschließlich am Baum des Jahres 2023, beispielsweise der Moorbirkenrüssler und der Moorbreitrüssler.

Futter für seltene Schmetterlingsarten

Besonders bedeutsam sind Birken laut LWF für Schmetterlinge. Bei diesen gehören Birken nach Eichen und Weiden zu den drittwichtigsten Bäumen (LWF, Hacker 1999). Dabei seien zwischen Moorbirke und Hängebirke keine signifikanten Unterschiede festzustellen, so Hacker.

Demnach ernähren sich Raupen von 118 Großschmetterlingsarten von den schmackhaften Birkenblättern. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Spanner (Geometriade, 50 Prozent) und Eulen (Noctuidae, 30 Prozent). Aber auch Spinnerartige (Bombycoidea, 19 Prozent), Tagfalter (Rhopalocera, 1 Prozent) sowie Kleinschmetterlingsarten schätzen das Birkengrün. Auch hier sind extrem seltene Schmetterlinge, die sogenannten „Sibirischen Waldarten“, auf Birken als Lebensraum angewiesen.

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Moorbirke als Heilpflanze

Eine lange Tradition hat die Moorbirke als Heilpflanze. Der Tee aus den jungen Blättern fördert beispielsweise die Harnproduktion. Das hilft unter anderem bei Nierenproblemen, Gicht, Blasensteinen und rheumatischen Beschwerden. Aus den Winterknospen lässt sich ein Saft zur Linderung von Erkältungskrankheiten gewinnen sowie Salben, die bei Hauterkrankungen helfen. Auch Harz und Rinde können zu Heilzwecken eingesetzt werden. So hilft Birkenkorkextrakt gegen Juckreiz und bei Akne.

Baumkönigin 2023: Johanna Werk

Somit hat die Baum des Jahres Stiftung mit der Moorbirke eine vielseitige und vor allem ökologisch äußerst bedeutsame Art zum Baum des Jahres 2023 gewählt. Ein verdienter Titelgewinn! Gleichzeitig wurde die neue Deutsche Baumkönigin bestimmt. Johanna Werk, derzeit Studentin der Forstwissenschaften in Göttingen, wird im Jahr 2023 im Einsatz für die Moorbirke unterwegs sein, vor allem auch um Renaturierungsmaßnahmen tatkräftig zu unterstützen.

Neues Zepter für Baumkönigin

Gemeinsam mit dem Baum des Jahres wird von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung stets ein neuer Baumkönig beziehungsweise eine Königin ausgerufen. Wissenswert: Der Gehstock des jeweiligen Deutschen Baumkönigs beziehungsweise der Baumkönigin ist ein sicherer Hinweis auf den Baum des Jahres. Denn der aus Esche gefertigte Stock trägt eine austauschbare Kugel aus dem Holz des jeweiligen Jahresbaumes. Mit einem Gewinde versehen lässt diese sich auf den Stock aufschrauben. Sie wird jedes Jahr extra angefertigt. So ist der jeweilige Baumkönig mit einer wahrhaft präsentablen Insignie ausgestattet. Ab sofort schmückt eine Kugel aus dem Holz der Moorbirke den Gehstock der Regentin.

Steckbrief Moorbirke>

(Betula pubescens)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Gattung: Birken (Betula)
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Standort: sehr sonnig
Wuchs: Baum oder Strauch; Laubgehölz
Krone: unregelmäßig, oval, fast offen
Blütezeit: April bis Mai
Blüten: gelb-grün; einhäusig getrenntgeschlechtig; Kätzchen
Blatt: grün; herz- bis rautenförmig, gesägter Rand; wechselständig
Frucht: grün; geflügelte Nussfrucht
Rinde: weiß; dünn; in Streifen abblätternd; Korkwarzen quer; im Alter schwarz und rissig
Wurzel: Herzwurzel
Boden: feucht bis nass; schwach sauer bis sauer; kalkarm; nährstoffarm
Winterhärte: bis minus 40 Grad Celsius
Durchschnittsalter: bis zu 120 Jahre
Vorkommen: Nord- und Mitteleuropa, Asien
Besonderheit: anspruchslose Pionierbaumart

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