Die Frage:

Kirschbäume ohne Blätter im Spätsommer

User fragen Baumpfleger

Wir haben auf unserem Hof verschiedenes Streuobst. Die Äpfel- und Birnenbäume machen einen sehr vitalen Eindruck. Bei den Kirschbäumen sieht es aber anders aus: Der Großteil der Kirschen macht einen jämmerlichen Eindruck. Lediglich zwei von zwölf Bäumen sind jetzt noch belaubt (Stand: September). Auch die Zuwächse sind bescheiden. Woran liegt es, dass die Bäume ihr Laub so früh verlieren? Das Problem scheint sich nicht auf unseren Hof zu beschränken. Bei uns in der Umgebung sind die Kirschbäume in einem ähnlichen Zustand.

Ich habe mir selbst ein paar Gedanken gemacht, woran es liegen könnte. Die Baumscheibe wird als Grünland genutzt und mit Rindergülle gedüngt. Zuviel Nitrat im Boden? Die Bäume wurden außerdem schon eine Weile nicht mehr geschnitten, vieleicht begünstigt die dichte Krone Schadpilze wie Schrotschuss und Bakterienbrand. Die meisten Kronen sind aber mittlerweile ziemlich durchlässig. Seit einigen Jahren wird auch auf Spritzmittel verzichtet.

Die Antwort:

Regelmäßiges auftretendes Phänomen

Baumpfleger antworten Usern

Das Phänomen kommt alle paar Jahre vor. Wir hatten ein extrem feuchtes Frühjahr (April/Mai). Da freuen sich alle Pilze und infizieren wie wild. Bei Süßkirschen sind das vor allem Sprühflecken und Schrotschuss. Wenn dann ein Großteil der Blattfläche infiziert ist, werfen die Bäume die Blätter im August ab. Hat der Baum einigermaßen Zuwachs gemacht, muss man sich erst einmal keine allzu großen Sorgen machen bezüglich mangelnder Vitalität. Wenn sich die Zustände im nächsten Jahr nicht wiederholen, erholt sich der Baum.

Kai Bergengruen Obstbaumeister, Fachagrarwirt für Baumpflege
und Kursreferent für Obstbaumschnitt bei der Münchner Baumkletterschule

Die Antwort:

Regelmäßiges auftretendes Phänomen

Baumpfleger antworten Usern

Ferndiagnose ist natürlich immer schwierig. Allgemein waren zumindest bei uns die Kirschen in diesem extrem nassen Jahr von allen erdenklichen Pilzkrankheiten befallen, allen voran Schrotschuss, auch Sprühflecken. Das führt dazu, dass die Bäume ihr Laub früh abwerfen, hier stehen auch schon fast alle Kirschen „nackt“ da, während Äpfel und insbesondere auch Birnen noch sehr gut aussehen (überhaupt kein Birnengitterrost).
Rindergülle ist sicher kein guter Dünger für Kirschen, besser (bei Rinderhaltung) die Baumscheiben alle paar Jahre mal mit sehr gut verrottetem Rindermist (mind. dreijährig) düngen und ansonsten (in flacher Schicht) mulchen. Auch ein vorsichtiger Schnitt (bei Altbäumen im Sommer, erstmal nur etwas Fruchtholz wegnehmen) kann das Wachstum anregen. Insgesamt ist die Gesundheit von Kirschen offensichtlich sehr vom Standort abhängig. Sie brauchen warmen, nicht zu schweren Boden. Wir haben hier schweren Lehmboden und die Kirschen tun sich enorm schwer, die Bäume werden sicherlich nicht alt werden.“

Warten wir es ab und hoffen auf ein trockenes Frühjahr 2015!

Dr. Annette Braun-Lüllemann Steinobstexpertin in einem Pomologenverein

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