Weg entlang eines Teiches im Wald

Waldgebiet des Jahres 2018

Der Wermsdorfer Wald

50 Kilometer östlich von Leipzig erstreckt sich das Waldgebiet des Jahres 2018. Rund um die nordwestsächsische Gemeinde Wermsdorf ist der Wermsdorfer Wald in der waldarmen Gegend ein besonderes Ökosystem. Jedes Jahr kürt der Bund Deutscher Forstleute (BDF) einen anderen Wald zum Waldgebiet des Jahres. Im Wermsdorfer Wald gelingt es nach Ansicht des Verbandes auf besondere Weise, die forstliche Nutzung in Einklang mit Naturschutz und Erholungsfunktionen des Waldes zu bringen. Der BDF dankt damit auch den örtlichen Forstleuten, welche den Spagat zwischen Schutz und Nutzen täglich meistern.

Waldgebiet des Jahres 2018: Wermsdorfer Wald

Logo zum Waldgebiet des Jahres

Erster sächsischer Preisträger

Der Wermsdorfer Wald ist der erste sächsische Wald, der sich in die seit 2012 vergebene Auszeichnung einreiht. Trotz seiner bedeutenden Funktion für die regionale Forst- und Holzwirtschaft, ist er ein wichtiger Rückzugsraum für bedrohte Tierarten. Zudem ist der Wald mit seinen großen Teichen, vielen Senken und Hügeln ein geschätztes Naherholungsgebiet für die umgebenden Großstädte Leipzig, Dresden und Chemnitz.

Fotos: U. Lange

Wechselvolle Geschichte

Für die Gegend um Wermsdorf gibt es zahlreiche Befunde für eine frühgeschichtliche Besiedelung, auch wenn die Gemeinde erst im Jahr 1206 urkundlich erwähnt wird. Entsprechend der verstärkten mittelalterlichen Rodung der regionalen Wälder, waren diese zu jener Zeit stark geschädigt und vorratsarm.

Dass die Wälder aus Eichen, Buchen, Espen, Birken und Kiefern nicht vollständig geplündert wurden, lag an den schlechten Standortverhältnissen für den Ackerbau und der Funktion des Waldes als königliches Jagdrevier. Aus jagdlichen Gründen erfolgte im 18. Jahrhundert die Anlage der rechtwinklig verlaufenden Flure und Alleen, die heute noch den Wald erschließen. Typisch für die Zeit, wandelte sich der Wald Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in einen fast reinen Nadelwald aus Fichte, Kiefer und Lärche.

Noch vor dem zweiten Weltkrieg kam es infolge von Dürren und großen Schäden durch Insekten zu einem Anbauverbot von Fichte. Zunächst ersetzen Kiefern, Lärchen und Birken den Baum des Jahres 2017. Erst mit der Wiedervereinigung richtete sich der Waldumbau neu aus und setzte auf naturnahe Laubholzmischbestände. Heute hat der Wermsdorfer Wald einen Laubholzanteil von 51 Prozent.

Waldgebiet des Jahres

2018Wermsdorfer Wald
2017Frankenwald
2016Küstenwald Usedom
2015Grunewald
2014Schönbuch
2013Solling
2012Meulenwald

Fotos: U. Lange

Das Besondere am Wermsdorfer Wald

Die Böden des Wermsdorfer Waldes sind wegen Löß- und Lehmüberlagerungen häufig durch Staunässe gekennzeichnet. Dadurch verankern sich Fichten und einige Laubbaumsorten nur unzureichend im Boden und sind bei Stürmen anfällig. Dank ihrer Pfahlwurzeln schaffen es Eichen und Kiefern diese Stauhorizonte zu durchbrechen und sich stabil zu verankern. Entsprechend dieser Voraussetzungen setzen die regionalen sächsischen Forstbehörden und Waldbesitzer in dem circa 5.100 Hektar großen Waldgebiet verstärkt auf die Eiche.

Die Strukturvielfalt des Waldgebietes schafft ein breites Angebot wertvoller Lebensräume, die auch selten gewordene und geschützte Arten aus Flora und Fauna beherbergen. Unter anderem beheimatet der Wermsdorfer Wald und die umliegende Teichlandschaft Seeadler, Uhu, Schwarzstorch, Fischotter, Großes Mausohr und Hirschkäfer. Zahlreiche Schutzgebiete innerhalb des Waldes verdeutlichen diesen besonderen ökologischen Wert des Wermsdorfer Waldes.

Der Autor: Jan Böhm

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