Waldgebiet des Jahres 2020

Die Ivenacker Eichen

Zum zweiten Mal geht der Titel „Waldgebiet des Jahres“ nach Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem Küstenwald Usedom 2016 sind es 2020 die Ivenacker Eichen, bei denen der Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft im Vordergrund steht. Der ehemalige Hutewald ist ein Ort voll Kultur und Tradition. Die 1000 jährigen Eichen dienen sind eine ideale Umgebung für waldpädagogische Führungen.

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Nationales Naturmonument Ivenacker Eichen

Die Ivenacker Eichen zählen zu den ältesten Bäumen Deutschlands. Die mächtigste der Eichen gilt mit 140 Kubikmetern als größte Europas. Aus Jahrringanalysen lässt sich das Alter der Bäume nicht bestimmen, die Baumexperten schätzen die ältesten Bäume auf jedoch 1000 Jahre. Insgesamt misst die Fläche der Ivenacker Eichen 164 Hektar. Als ehemaliger Hutewald wird die Fläche forstrechtlich mit der „Verordnung Nationales Naturmonument Ivenacker Eichen“ geschützt.

Waldgebiet des Jahres 2020: Ivenacker Eichen

Hutewald

Die Waldweide war im Mittelalter gängige Praxis in der Viehhaltung. Besonders Schweine, Ziegen, Schafe und Rinder trieben die Bauern in den Wald, wo sie sich von Bodenvegetation und Baumfrüchte wie Eicheln und Bucheckern ernährten. Die Tiere halten durch den Fraß den Boden zwischen den Bäumen frei und bilden eine besondere Waldform. Große, alte Bäume bleiben erhalten und sind Futterlieferant und Schattenspender.

Mit der Zeit wandelten sich die Hutewälder zu Wirtschaftswäldern. Offene Weideflächen verschwanden zugunsten dichterer Bestockung. Ziel der Waldbesitzer war nicht mehr die Viehweide, sondern gerades Stammholz. Nur wenige Wälder behielten ihre Funktion als Hutewald bei. Heute ist die ökologische Funktion und hohe Biodiversität von Hutewäldern bekannt. Immer mehr ehemalige Hutewälder bekommen durch erneute Beweidung ihren früheren Charakter zurück. Auch nter den Ivenacker Eichen grast seit vielen Jahrzehnten Damwild. Seit 2011 gibt es zusätzlich ein Gatter mit den selten gewordenen Turopolje-Schweinen.

Fotos: Landesforsten Mecklenburg-Vorpommern

Pflege der Ivenacker Eichen

Das Forstamt Stavenhagen stand vor der Herausforderung, das Gebiet der Ivenacker Eichen wieder in den Zustand des Hutewaldes zu versetzen. Die Forstleute stellen alte Eichen frei und fördern junge Eichen, welche die Baumveteranen später ersetzen. Mit einem niedrigen Holzzaun um die ältesten Ivenacker Eichen wollen die Forstleute verhindern, dass Besucher den Boden über den Wurzeln verdichten. Zusätzlich wird das Totholz nicht zur Gefahr für Fußgänger.

Waldgebiet des Jahres

2020Die Ivenacker Eichen
2019Urbane Wälder Rhein/Ruhr
2018Wermsdorfer Wald
2017Frankenwald
2016Küstenwald Usedom
2015Grunewald
2014Schönbuch
2013Solling
2012Meulenwald

Ökologie und Biodiversität

Alte Eichen sind ein einzigartiger Lebensraum für viele, teilweise hochspezialierte und seltene Tiere und Pflanzen. Die zerfurchte Rinde, tote Äste, eine ausladende Krone, Höhlungen im Stamm und Faulstellen bieten ein Zuhause für unterschiedliche Tierarten. Besonders Holzkäferarten sind auf alte, knochige Bäume angewiesen. Der Eremit beispielsweise ist auf lebende Bäume mit Faulstellen angewiesen. Nur sie produzieren in ihren Stammhöhlen den lebensnotwenigen Mulm, ein Gemisch aus Holzfasern und Käferkot. Im Gebiet der Ivenacker Eichen hausen 856 Käferarten, die zum Teil stark geschützt und bedroht sind.

Neben den Bäumen ist der Hutewald als Ganzes ein wichtiger und einzigartiger Lebensraum. Ähnlich wie Streuobstwiesen fördern Hutewälder licht- und wärmeliebende Arten. Durch die weit entfernt stehenden, großkronigen Bäume fällt Sonnenlicht bis auf die Bodenvegetation und lässt Blühwiesen entstehen. Wildbienen und seltene Schmetterlings- und Falterarten siedeln sich an. Das Spiel aus Schatten und Sonnenflächen erzeugt einen besonderen Lebensraum für zahlreiche unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten.

Fotos: Landesforsten Mecklenburg-Vorpommern

Waldpädagogische Angebote

Um vielen Menschen zu zeigen, wie wichtig Hutewälder sind, finden regemäßig Erlebnistage und waldpädagogische Führungen in den Ivenacker Eichen statt. Über 6000 Besucher, darunter 3000 Kinder zählt das Zentrum der Waldpädagogik jährlich.

Der Baumkronenpfad lockt weitere Besucher an. Auf 40 Metern Höhe genießen Groß und Klein den Blick über die Baumkronen und den Ivenacker See. Der angeschlossene Tierpark mit Damwild und Schweinen rundet das Angebot für Familien und Naturbegeisterte ab.

Die Autorin: Marina Winkler

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1 Antworten
  1. Heinrich Bossmann

    Um 1975 hat mein Vater regelmäßig Rinder zwischen Wald und Weide pendeln lassen.
    Es muss um 1990 gewesen sein, als das örtliche Forstamt die Landwirte unserer Gegend darüber informiert hat, das Beweidung im Wald verboten sei. Noch einige Jahre später wurden auf Anordnung alle Zäune entfernt
    Jetzt lese ich über die erhaltenswerten Hütewälder und wundere mich.

    Antworten

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