Umgefallen und zebrochene Buche

Die Frage:

Sturmschaden an mehrstämmiger Buche

Beim letzten Sturm ist an einer circa 150 Jahre alten Buche, die aus mehreren Stämmen besteht, einer der Stämme abgebrochen. Dieser Stamm war auch von einem Pilz befallen.

Wie verhindere ich, dass der Pilz nach dem Sturmschaden auf den ganzen Baum übergreift? Soll ich den Stamm sauber absägen und verschließen?

Die Antwort:

Nach Sturmschäden Experten vor Ort hinzuziehen

Anhand der Bilder lässt sich vermuten, dass die Stämme weit unten geteilt oder komplett eigenständige Bäume sind. Dafür spricht, dass nur ein Stamm vom Pilz betroffen ist. Möglicherweise sind die Stämme genetisch identisch. Sie wachsen aber nahezu uneingeschränkt, da die Stämme nicht aus einer Stammbasis kommen. Das Problem ist die Enge, mit der die Stämme beieinanderstehen. Für die Bäume ist es unmöglich, ihre Kronen frei und gleichmäßig rundherum zu gestalten. Sie konzentrieren sich auf die Außenseite ihrer kleinen Gruppe, um genug Licht einzufangen. Dadurch entstehen unterschiedliche Spannungen im Stamm. Im Laufe des Lebens passen sich die Bäume an diese einseitigen Belastungen an, indem Sie ihr Holz entsprechend aufbauen. Probleme für den Baum entstehen, wenn dieses fein austarierte Gleichgewicht gestört wird. Ist der Baum zusätzlich von einem Pilz befallen, der ihn schwächt, sind Schäden durch einen Sturm oder Orkan schnell möglich.

Pilzbefall

Der Pilz, der sich in der Buche ausbreitet, ist sehr wahrscheinlich ein Austern-Seitling. Die Pilzart zählt zu den holzzersetzenden Pilzen, verursacht Weißfäule und zersetzt Splint- und Kernholz. Er ist der Grund, warum der Stamm beim Sturm brach. Durch die nahen, und möglicherweise über Holz oder Wurzeln verbundenen Stämme, kann sich der Pilz leicht auf die anderen Stämme ausbreiten. Sind diese vital, nutzen Sie ihre eigenen Abwehrkräfte und wehren sie sich gegen den Pilz. Jedoch auch ohne sichtbare Fruchtkörper kann der Pilz bereits in die anderen Stämme eingedrungen sein. Eine Baumkontrolle durch einen Fachmann gibt hier Aufschluss und ist dringend anzuraten.

Pflege des Stämmling mit Sturmschaden

Es gibt es zwei Möglichkeiten, den abgebrochenen Stamm zu behandeln. Entweder Sie beseitigen den Stamm bodennah, oder Sie lassen ihn als Totholzbiotop stehen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Schneiden Sie den Stamm ab, sieht die Sache sauberer aus. Eventuell unterbinden sie damit auch, dass sich der Pilz über Sporen verbreitet. Allerdings ist der Effekt unerheblich, da das Pilzgeflecht im Boden steckt und höchstwahrscheinlich die anderen Bäume befallen hat. Bei dieser Methode ist es wichtig, dass Sie die Schnittstelle nicht versiegeln. Verwende Sie kein Wundverschlussmittel, kein Harz und keine Plastiktüten. Gerade bei einem nicht mehr vitalen Baumstumpf verbessern diese das Milieu für Pilze.

Belassen Sie den Stumpf als Totholz, fördern Sie viele Tierarten. Totholzkäfer und andere Insekten leben bevorzugt in alten, toten Stämmen. Sie ernähren sich vom toten Holz, anderen Insekten oder dem Pilz, der im Stamm steckt. Die Insekten sind Futter für Spechte und viele andere Vogelarten.

Pflege der stehenden Stämme

Bei den stehenden Stämmen stellt sich die Frage, inwieweit sie durch Sturmschaden und Pilz gefährlich sind oder problemlos stehen bleiben können. Die Fotos vermitteln den Eindruck, dass der restliche Baum gesund ist. Doch Anhand der Optik und von Fotos ist es unmöglich, den Baum ernsthaft zu beurteilen. Eine gute Einschätzung gibt Ihnen nur ein Baumgutachter vor Ort. Nach Sturmschäden und unklarer Lage ist es ratsam, eine Untersuchung am Baum durchzuführen. Insbesondere wenn unter der potentiellen Sturzfläche des Baumes regelmäßig Menschen spazieren gehen oder sich aufhalten. Hier stehen Sie als Baumbesitzer durch die Verkehrssicherungspflicht in der Verantwortung.

Regelmäßige Kontrolle unumgänglich

Stellt der Baumgutachter fest, dass die Bäume nach dem Sturmschaden noch vital und standsicher sind, rate ich Ihnen die Stämme stehen zu lassen. Die Gefahr, dass der Pilz die verbleibenden Stämme befällt, ist damit zwar nicht gebannt, doch ist dies ein schleichender Prozess. Eine zusätzliche Option ist, die Stämme mit einer Kronensicherung zu versehen. Sie stabilisiert den Baum bei Wind, da sie die Bewegungen der Stämme einschränkt. Weiterhin besteht die Option, den Baum leicht in der seitlichen Ausbreitung einzukürzen, um den Stamm zu entlasten. Ganz wichtig ist, die Buche nicht zu kappen. Überlassen diese Arbeiten am besten einem Fachbetrieb. Ausgebildete Baumpfleger sichern fachgerecht ihre Bäume und kürzen die Krone professionell ein.

Auswirkungen des Sturmschadens auf die Standsicherheit

Durch den weggefallenen Stamm haben die beiden verbleibenden Buchenstämme die Chance, ihre Kronen in die neue Richtung ausbreiten. Sowohl für die Stand- und Bruchsicherheit, wie auch die Beschattung der Stämme sind das gute Nachrichten. Beobachten sie diese Entwicklung dennoch und lassen Sie Ihre Buchen regelmäßige auf Standsicherheit durch einen Experten überprüfen.

Ist der durch den Sturm ausgebrochene Stämmling auf der Südseite, droht den verbleibenden Stämmen Sonnenbrand. Dadurch können Rindennekrosen, Trockenschäden und neue Pilzeintrittspforten entstehen. Hier hilft ein weißer Schutzanstrich, der im Lauf der Jahre verwittert. Die Bäume gewöhnen sich langsam an die Sonneneinstrahlung.

Austern-Seitling

Übrigens der Austern-Seitling ist ein leckerer Speisepilz. Wollen Sie in den nächsten Jahren reichlich ernten, ist das ein zusätzliches Argument den abgebrochenen Stamm stehen zu lassen.

Die Autorin: Marina Winkler

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