Schräger Stamm eines Walnussbaumes

Die Frage:

Schiefe Walnuss – Droht der Baum zu kippen?

In unseren Garten steht ein mächtig schiefer Baum. Wir haben Angst, dass uns unsere schöne, schattenspendende Walnuss bald auf den Kopf fällt.
Wie wird ein Baum so schief? Wann fällt ein schiefer Baum um oder kann er trotzdem lang leben? Kann die Walnuss wieder begradigt werden?

Die Antwort:

Auch ein schiefer Baum kann lang leben

Um eine erste Einschätzung zum Zustand Ihrer schiefen Walnuss zu bekommen, können Sie nach Hinweisen suchen, welche auf eine zu hohe Bruchlast im Stamm hinweisen. Hierzu gehört vermehrtes Holzwachstum am Stammfuß. Der schräge Baum versucht das Ungleichgewicht durch mehr Holzmasse auszugleichen. Dies ist noch kein Grund zur Sorge, sollte aber durch regelmäßige Kontrollen im Auge behalten werden.

Risse in Längsrichtung des Stammes, welche durch die hohe Biegung des Holzes zustande kommen, sind mit größerer Vorsicht zu genießen. Holz hat eine geringere Biege- als Zugstabilität und kommentiert eine zu starke oder zu schnelle Biegung oft mit Rissen in der Borke. Dies weist bereits darauf hin, dass der Baum mit der Gewichtsverteilung zu kämpfen hat. Ein letztes Indiz ist abblätternde Borke im Stammbereich. Sie weist oft darauf hin, dass der Baum kurz vor dem Bruchversagen steht. Gleichzeitig können sich Absenkfalten im Stammbereich bilden. Auch sie geben Aufschluss über ein fortgeschrittenes Bruchstadium des Baumes.

Im Umkreis des Baumes kann ein aufgewölbter oder mit Rissen versehener Boden Aufschluss über einen gelockerten Wurzelteller geben. Dies sieht man oft nach Orkanen, wenn ältere Bäume im Gesamten durch den Winddruck „kippen“. Diese Bäume sind stark gefährdet und können durch die schlechte Verankerung schnell umfallen.

Vorsichtige Einschätzung anhand der Bilder

Ihre Walnuss ist laut den Bildern aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in jungen Jahren gekippt. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er sich im Laufe seines Lebens soweit stabilisiert hat, dass er keine Hilfe von außen benötigt. Dennoch rate ich bei solchen Bäumen zu regelmäßigen Kontrollen, um sicherzugehen, dass er vital genug ist, auch stärkeren Stürmen ohne Schäden trotzen zu können. Hierfür stehen ausgebildete Baumgutachter zur Verfügung, welche vor Ort eine genaue Einschätzung zur Situation geben können. Auf Baumplegeportal.de finden Sie Baumgutachter/Baumkontrolleure in Ihrer Nähe.

Unterstützung der Walnuss

Achten Sie darauf, dass es Ihrer schrägen Walnuss an nichts fehlt. Der Wurzelraum des schiefen Baumes sollte nicht durch Beton oder viel befahrene Flächen eingegrenzt werden. Starke, ausladende Wurzeln haben eine hohe Stütz- und Verankerungsfunktion, was vor allem bei schiefen Bäumen an Wichtigkeit gewinnt. Über dieses Wurzelgeflecht nimmt der Baum Nährstoffe und Wasser auf, welche er zum Wachstum braucht. Durch ausreichendes Dickenwachstum wird der Stamm stabil genug um die einseitige Kronenbelastung langfristig tragen zu können.

Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Walnuss sinnvoll zu pflegen. Die Krone ist auf alle Seiten sehr ausladend. Es ist oft hilfreich, Material aus der überhängenden Krone zu entnehmen, um eine bessere Gewichtsverteilung auf den Stamm zu erhalten. Somit lässt sich eine Erleichterung des strapazierten Zugholzes erreichen und die Gefahr für ein Bruchversagen sinkt. Ausgebildete Fachleute können gut einschätzen, was dem Baum hilft und was ihn aus seinem Gleichgewicht bringt. Auf Baumpflegeportal finden Sie Baumpfleger in Ihrer Nähe.

Hintergrundwissen

Bäume wachsen von Natur aus gerade. Sie entwickeln schon in ihren ersten Lebenstagen grüne Blätter, mit denen sie durch Photosynthese in der Lage sind, ihre Nährstoffe zu produzieren. Damit dieser chemische Vorgang jedoch funktioniert, benötigt jedes Blatt Sonnenlicht. Um an diese notwendige Ressource heranzukommen, muss der Baum all seine Energie in das Wachstum nach oben investieren. Um möglichst wenig davon zu verschwenden versuchen Bäume kerzengerade zu wachsen.

Ursachenforschung für schiefe Bäume

Manchmal macht die Natur den jungen Bäumen aber einen Strich durch die Rechnung. Ein Erdrutsch, starker Wind, Lawinen oder Schneedruck sind nur einige Beispiele, die dafür verantwortlich sind, dass die kleinen Bäume umkippen. Mangelndes Wurzelwerk oder ein noch nicht ganz verholzter Stamm sind hier noch zusätzliche Faktoren.

Einige der umgestürzten Bäume können sich in den darauffolgenden Wochen und Monaten wieder aufrichten, ein Teil stirbt an den Folgen.
Diejenigen Bäume jedoch, welche sich nicht mehr aufrichten können und dennoch mit dem Erdreich verwurzelt bleiben, versuchen den Höhenverlust so schnell wie möglich zu kompensieren. Sie richten sich im weiteren Wachstum an der Spitze wieder auf und beginnen von neuem mit dem Höhenwachstum. Hier entsteht die „Kurve“ im Stamm.

Eine weitere Möglichkeit, warum ein Baum schief wächst, ist, dass er von einer Seite massiv Druck bekommt. Dies kann durch andere Bäume geschehen, welche einseitig das Licht wegnehmen, oder auch durch Gebäude. In diesem Fall entscheidet der Baum aktiv „schief“ zu wachsen um an mehr Licht zu kommen.

Ist ein schiefer Baum stabil?

Mit der Zeit verholzt der Stamm des krummen Baumes und wird immer dicker. Um den Schwerpunkt nicht vom Stamm weg zu verlagern, wird der Baum genau auf die Ausrichtung seiner Äste achten. Er wird längere Äste in Richtung Wurzeln bilden und auf die Außenseiten lediglich kurze Äste zur Erhöhung der Blattmasse ansetzen.

Reaktionsholz

Bäume haben die Möglichkeit, das Holz ihres Stammes unterschiedlich zu strukturieren. Dabei setzten Laubbäume auf Zugholz, welches auf der windzugewandten Seite des Stammes auftritt. Es ist deutlich heller als das „normale“ Holz und hat keine Jahresringe.

Nadelhölzer dagegen bilden auf der Seite mit hohem Druck, also der windabgewandten Seite, dunkelrotes Druckholz. Es ist deutlich dichter als das umliegende Holz und schützt den Stamm somit davor, durch das Gewicht der Krone abzubrechen.

Überlebenskünstler Kiefer

Natürlich sind hier die äußeren Einflüsse von großer Bedeutung. In den Hochlagen sieht man oft krumme Kiefern. Diese wachsen nicht nur schief, sondern kringeln sich regelrecht. Durch die steilen Lagen in den Bergen kommt es alle paar Jahre zu kleinen Erdrutschen, oder der Boden gleitet in Zeitlupe den Hang hinunter. Dadurch müssen sich die Bäume dort immer wieder aufs Neue an die Begebenheiten anpassen und die Wuchsrichtung ändern. Durch die zusätzlich sehr kargen Böden werden diese Vertreter ihrer Art selten sehr hoch, können aber dennoch ein stattliches Alter erreichen und sich fortpflanzen.

Fazit

Alle Baumarten haben eines gemeinsam: Sie versuchen alles, um einen möglichst stabilen Stand zu haben. Dazu gehören neben der Bildung des Reaktionsholzes auch ein ausgeprägtes Wurzelwerk und ausreichendes Dickenwachstum des Stammes. Kann der Baum all diese Aspekte erfüllen, so kann er trotz seines schiefen Stammes viele Jahre lang stabil und sicher in der Erde verankert sein.

Die Autorin: Marina Winkler

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Quellen:

2 Kommentare
  1. Frank Reinhold
    Frank Reinhold sagte:

    Hallo liebe Baumfreunde.
    Ich finde das ist eine perfekte Einschätzung.
    Bäume die unter Laub und Frucht stehen sind sicher und windlastig.
    Wenn es lang regnet und der Wind drückt kommen diese oft in Schräglage.
    Lieben Gärtnergruß Frank

    Antworten

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