Erziehungsschnitt bei jungem Obst: Was beachten?

Die Frage:

Wie erziehe ich junges Obst?

User fragen Baumpfleger

Ich lebe seit einigen Jahren in Uruguay. Vor einem Jahr habe ich ein paar Obstbäume in meinem Garten angepflanzt. Sie sind alle noch recht jung: zwischen drei und sechs Jahre alt. Ich möchte nichts falsch machen: Rückschnitt bzw. Erziehungsschnitt für eine reiche Ernte später einmal, natürlich will ich den Baum aber auch nicht verletzen. In Uruguay ist jetzt Herbst. Haben Sie ein paar Tipps für mich, wie, wann und wo ich die Obstbäumchen am besten schneiden sollte? Muchas gracias!

Die Antwort:

Erziehung ist abhängig vom Ziel des Besitzers

Baumpfleger antworten Usern

Danke für die Anfrage. Ich kenne mich mit den klimatischen Verhältnissen in Uruguay nicht aus. In Deutschland schneidet man die Bäumchen am besten zwischen Januar und März (zum Winter-Ausgang). In dieser Zeit sind im Baum Reservestoffe gespeichert, die für einen kräftigen Austrieb nach dem Schnitt sorgen. Die Thematik von Wundproblemen ist bei jungen Bäumchen eher untergeordnet. Das hängt aber vom Einzelfall ab. Zum Beispiel können durch Schnittwerkzeuge Krankheitserreger von einem Baum auf den anderen übertragen werden. Da hilft nur, das Werkzeug zu desinfizieren, bevor man den nächsten Baum schneidet. Das ist aber glücklicherweise meist nur bei gleichen Baumarten problematisch.

Erziehungsschnitt bei jungem Obst

Es gibt viele Möglichkeiten, junge Bäume zu erziehen. Das hängt von der gewünschten, zukünftigen Kronenform ab. Im Allgemeinen zieht man sich anfangs erst einmal Äste heran, die man zu Haupt-Gerüstästen erzieht. An ihnen sollen später die Äste wachsen, die man für den Fruchtertrag auswählt (= Fruchtäste).

Prinzipiell kann fast jeder Ast zum Gerüst- oder Fruchtast erzogen werden. Haupt-Gerüstäste sollten kräftig sein, damit sie später die Fruchtlast tragen können. Bei der Erziehung wird also alles unternommen, dass sich diese kräftig entwickeln (Steil stellen, beim Erziehen die Spitze anschneiden etc.). Haupt-Gerüstäste bleiben möglichst das ganze Baumleben bestehen.

In der anfänglichen Erziehungsphase geht es darum, die Haupt-Gerüstäste möglichst kräftig werden zu lassen. Meist reichen drei Haupt-Gerüstäste um den Mittelstamm völlig aus. Man zieht sie eher zu steil, als zu flach und lässt die Fruchtäste nach vorne waagerecht herauswachsen.

Fruchtäste

Fruchtäste sind nur in jungen Jahren produktiv. Es ist von Obstart zu Obstart verschieden, ob die einjährigen Fruchtäste schwächer oder stärker sein sollten. Sie werden nach wenigen Jahren immer wieder ausgetauscht und durch jüngeres, fruchtbares Holz ersetzt. Denn die Blüten und damit Früchte wachsen immer am einjährigen Ast. Bei Steinobst an den Seitenknospen, bei Kernobst an der Spitzenknospe. Bei Apfel und Birne am vorjährig gewachsenen Ast, bei Quitte, Holunder oder Brombeeren am Austrieb im Ertragsjahr. Manchmal ist der einjährige Ast so klein, dass man ihn kaum erkennt, weshalb man oft auch davon spricht, dass Blüten und Früchte am zwei- oder mehrjährigen Holz sitzen.

Im unteren Baumbereich empfiehlt es sich, die waagerechten Fruchtäste nach der Fruchtphase als Gerüstäste zu belassen und eine Verzweigung zu fördern, so dass Knospen, Zweige und Äste unten nicht verkümmern. Um eine Verkümmerung oder ein Absterben im unteren Baumbereich oder im Bauminneren zu verhindern, müssen unten und im Bauminnern immer mehr Knospen vorhanden sein als in der Peripherie oder Baumspitze. Auch die Äste müssen unten und innen dicker sein als oben und außen, ebenso die Verzweigung unten und innen stärker als außen und oben. Das nenne ich dann den Schlankschnitt. Damit erreicht man, dass die Bäume nicht unmäßig in die Höhe wachsen und im unteren Bereich nicht verkahlen bzw. verkümmern.

Manche Obstarten sind in der Lage, auch noch an älterem Holz kleine, einjährige Fruchtäste auszubilden, manche nur an jungem Holz. Manche Obstarten bilden das Fruchtholz im Vorjahr, manche erst im Ertragsjahr. Manche haben männliche und weibliche Blüten in einer Blüte, andere in verschiedenen, oft sogar an verschiedenen Bäumen. Die mögliche Befruchtung ist ebenfalls sehr variantenreich. Viel gäbe es dazu zu sagen.

Es sind bei jeder Fruchtart andere Dinge zu beachten. Deshalb ist es nicht möglich, den Erziehungsschnitt von Obstbäumen eben mal schnell zu erklären. Am besten ist es, Sie investieren in ein paar Obstschnittbücher und besuchen zusätzlich – wenn möglich – einen Kurs für Obstbaumschnitt, der oft von Obst- und Gartenbauvereinen angeboten wird. Vielleicht gibt es das ja auch in Uruguay. Vieles kann man auch schon lernen, wenn man die Bäume rückwärts liest, das heißt, die Vergangenheit beobachtet. Selbststudium ist aber immer aufwendiger als die Erklärung eines Könners direkt am Objekt. Nutzen Sie, was Ihnen möglich ist.

Viel Vergnügen und Freude mit Ihren Bäumchen!

Der Autor: Johannes Bilharz

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