Die Frage:

Geschädigte Blaufichte retten oder fällen?

User fragen Baumpfleger

Unsere Blaufichte hat nach Nordosten bis in die Krone nur noch wenige Äste. Vor zwei Jahren habe ich einen großen Hasel auf dieser Seite stark zurückgeschnitten. Dabei kamen die Lücken zum Vorschein. Ein Sturm vor einigen Tagen hat zwei mittlere Äste abgerissen. Der Baum steht am Rande des Grundstücks, circa fünf Meter von der Grundstücksgrenze entfernt an einer kleinen Straße ohne Durchgangsverkehr. Die Höhe des Baums reicht aus, um im Ernstfall ins Haus des Nachbarn zu stürzen.

Da er sonst keine sichtbaren Krankheitsanzeichen zeigt, möchte ich gerne wissen, ob wir ein Gutachten vorschalten und er gegebenenfalls länger stehenbleibt mit allen Risiken – oder wir ihn gleich fällen und uns nach einer geeigneten Ersatzbepflanzung umsehen sollten. Für eine Antwort oder weitere Hinweise wäre ich Ihnen dankbar.

Die Antwort:

Begutachtung vor Ort notwendig

Baumpfleger antworten Usern

Leider ist es trotz der Bilder nicht möglich, eine Gefahrenabschätzung per Ferndiagnose zu machen. Dazu bräuchte es viel mehr Detail- und Gesamtbilder aus verschiedenen Perspektiven. Hohe Fichten sind in Wohngebieten immer mit erhöhter Vorsicht zu betrachten. Das heißt nicht, dass man sie immer gleich fällen muss. Aber je älter und höher sie werden, desto mehr Aufmerksamkeit muss man ihnen schenken. Sie sind Flachwurzler und durch die Höhe haben sie natürlich eine große Hebel-Angriffsfläche. Bäume passen ihr Wachstum den normalen Windbelastungen an und optimieren so ihre Standfestigkeit. Für außergewöhnlich hohe Belastungen (Stürme oder Orkane) kann der Baum aber nicht schnell genug mit Wachstum reagieren.

Problematisch können auch Windverhältnisse sein, die sich plötzlich komplett ändern – zum Beispiel weil Randbäume, Gebäude oder ähnliches entfernt werden. Dadurch wird der Baum Windbelastungen ausgesetzt, für die er nicht vorbereitet ist und sich erst wieder über Jahre langsam anpassen muss. Die Gefährdung kann daher durchaus einige Jahre bestehen bleiben.

Ob der starke Rückschnitt Ihres Hasels problematisch ist, hängt davon ab, wie groß dessen ursprüngliche Dimension war. Die abgebrochenen Äste können in der Tat darauf zurückzuführen sein, dass einzelne Äste durch den Haselbusch so gestützt waren, dass sie sich nicht sonderlich „angestrengt“ haben, stabiler zu werden. War ja nicht nötig. Nach Entfernung des Hasels fehlt die Stützwirkung, weshalb die Äste durch plötzlich hohe Windbelastung abgebrochen sein könnten.

Ob aber auch der Baumstamm gefährdet ist, hängt von der ursprünglichen Größe des Hasels ab – ob er entscheidend für die Windbelastung war. Um das abschätzen zu können, muss man die Gesamthöhe der Fichte betrachten, den Wurzelbereich begutachten und die Fichte auf Schädigungen untersuchen. Diese können sich auch im Inneren des Stammfußes befinden. Zunächst sollte man eine visuelle Begutachtung vornehmen. Anhand von äußeren Wuchsanomalien kann ein Baumexperte auf eine mögliche Schädigung im Stamminneren schließen. Mittels spezieller Geräte und Methoden (zum Beispiel Bohrwiderstandsmeßgeräte, Schalltomographie oder Zugversuchs-Methode) kann eine eingehendere Untersuchung vorgenommen werden, mit der man Fäule im Stamminneren und auch die Standfestigkeit abschätzen kann.

Fakt ist: Sie sind für den Baum verantwortlich. Sie müssen entscheiden, wie wichtig Ihnen der Erhalt des Baums ist. Mittels Untersuchungen können Sie die Gefahr abschätzen. Das aber kostet. Wie hoch die Kosten sind, kann ich nicht sagen. Das hängt davon ab, wie weit der Experte anreisen muss, ob Anzeichen vorhanden sind, die eine eingehendere Untersuchung notwendig machen und letztlich, wie viel der Baumexperte verdienen möchte. Am einfachsten ist, Sie lassen zwei oder drei Experten ein Angebot abgeben. Dann haben Sie eine Entscheidungsgrundlage.

Wichtig ist, dass der Baumexperte seine Untersuchung schriftlich dokumentiert und klare Aussagen macht. Darauf sollten Sie bestehen.

Der Autor: Johannes Bilharz

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