Stämme von zwei Fichten sind im unterem Bereich geastet

Die Frage:

Beeinträchtigt Astung die Standsicherheit?

Wir haben im Garten drei Bäume stehen. Zwei Nadelbäume davon astete ich von unten nach oben auf. Der kahle Stamm hat ungefähr vier Meter Höhe, der Kronenanteil sechs Meter. Wie anfällig sind die Bäume nach der Maßnahme für Windwurf? Beeinträchtigt die kurze Krone die Standsicherheit der Bäume?

Die Hilfe der Baumpfleger ist gefragt

Für spezielle Probleme aus der Praxis reichen wir Fragen, die uns in der Baumpflegeportal-Redaktion erreichen, direkt an die Experten vor Ort weiter. Die Baumpflegefirmen präsentieren dann ihre Fachmeinung.

Bei dieser Frage unterstützten uns mit hilfreichen Einschätzungen die Immo Herbst Baum GmbH, Baumpflege Stoinski, Vonbaumzubaum Baumpflege und Forstingenieurunternehmen Dörmbach. Herzlichen Dank!

Die Antwort:

Astung verändert Verteilung der Windlasten

Physikalisch betrachtet werden Windlasten grundsätzlich als Energie von Bäumen aufgenommen, in kinetische Energie (Schwingungen) umgewandelt und wieder abgeleitet (Energieerhaltungs-, beziehungsweise Umwandlungsgesetz). Das heißt, jeder Ast ist im Grunde nach wichtig für die Aufnahme von Windlasten. Entnehme ich einem Baum Äste, so müssen die verbleibenden Äste diese Windlasten aufnehmen, umwandeln und abgeben. Zusätzlicher Lastabtrag findet in den Boden über das Stammfuß-, und Wurzelsystem statt. Da den Fichten nur im unteren Bereich Äste entnommen wurden, wurde der Schwerpunkt der Bäume entsprechen in die Krone nach „oben“ verlagert. Nun trifft mehr Energie bei gleicher Hebelwirkung auf den Stammfuß. Die Gefahr wurde also erhöht.

Für eine genaue Bewertung der Bruch- und Standsicherheit, sollte über die SIA-Methode (Stammdurchmesser, Baumhöhe, Kronenfläche) vorerst die Grundsicherheit der Fichten ermittelt werden. Wenn keine anderen pathologischen Schadfaktoren vorhanden sind, sollte diese Methode die Grundsicherheit der Bäume darstellen. Bei zu niedriger Grundsicherheit ergeben sich daraus folgend entsprechende Maßnahmen.

Ich empfehle Ihnen, einen Sachverständigen vor Ort zu bestellen. Mir erscheinen die Bäume gekappt und die Anbindungen der Kronenteile ist auf den Bildern nicht zu erkennen. Diese Anbindungen sollte sich ein Sachverständiger näher anschauen. Oftmals bilden sich an den Kappstellen Fäulen, die in Verbindung mit unsicheren Astanbindungen zu Bruchversagen führen können.

Immo Herbst Baum GmbH, PLZ: 65929

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Die Antwort:

Öffnung des Kronenmantels birgt Risiken

In solch einer Situation einen Rat zu geben ist schwierig. Generell ist die Öffnung eines Kronenmantels mit Risiken verbunden. Auf den Bildern sieht es aber so aus, das die umgebende Bebauung windabweisend wirkt. Ein Risiko des Bruches sehe ich laut den mir vorliegenden Bildern nicht. Die Gefahr liegt im Windwurf. Durch die Öffnung des Kronenmantels kann es bei Sturm zu Astbrüchen kommen und damit steigt die Gefahr des Wurfes. Wenn die umliegenden Gebäude genügend Schutz bieten, sodass der Wind nicht vom Boden in die Krone gelangen kann, so sehe ich auch diese Gefahr als gering.

Klären kann man diese Frage aber nur, wenn die Gegebenheiten vor Ort begutachtet werden.

Baumpflege Stoinski, PLZ: 50737

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Die Antwort:

Astung und große Schnitte können die Standsicherheit beeinträchtigen

Ja, auf Grund der Schnittmaßnahmen ist die Gefahr des Windwurfes erhöht. Allerdings ist es eine abstrakte Gefahr und keine konkrete. Somit kann niemand sagen, ob die Bäume brechen werden oder nicht. Abstrakte Gefahren können nicht ermittelt werden.

Zusätzlich sind die Schnittwurnden der entferntern Äste sehr groß. Sie können die Ursache für sekundäre Fäule oder Pilze sein, die in den Stamm eindringen. Zur Standsicherheit vermag ich hier nichts zu zu sagen, da müsste ich vor Ort den Stammfuß sehen.

Vonbaumzubaum Baumpflege, PLZ: 40231

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Die Antwort:

Frühzeitiges Handeln erspart spätere Probleme

Soweit ich es auf den Bildern erkennen kann, sind es Fichten. Diese haben zum Teil erhebliche Schnittwunden und auch durchgewachsene Reïterate nach einer Kappung.
Im Wurzelbereich scheint ringsumher einiges an Baumaßnehmen stattgefunden zu haben.
Die Bäume werden deutlich in der Höhe zunehmen, auch in der Breite werden sie noch zulegen. Damit steigen die Hebelwirkungen bei Windlast.
Eine Aufastung, ob mit oder ohne fachgerechter Schnittführung, hebt den Schwerpunkt des Baumes an. Somit steigt die Bruch- und Wurfgefährdung mit an. Hier ist sicherlich noch kein kritischer Punkt erreicht.

Eine verlässliche Aussage über Stand- und Bruchsicherheit kann ich natürlich hier vom Schreibtischstuhl aus NICHT geben, doch würde ich in diesem Fall eine Fällung anraten, solange die Bäume noch klein und handlich sind und durch eine sinnhaftere Bepflanzung ersetzen.

Ich hoffe, ich konnte ihnen helfen!

Torsten Dörmbach, Baumgesundheit.de

Forstingenieurunternehmen Dörmbach, PLZ: 51688

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3 Antworten
  1. Jan Hoffmann
    Jan Hoffmann says:

    Antwort zur Windangriffsfläche (alle anderen Antworten werden somit nicht infrage gestellt)

    Wenn die Windangriffsfläche verkleinert wird (Aufasten von unten), kann die Belastung am Fuß nicht größer werden. Daher kann die Aussage eins in diesem Punkt nicht korrekt sein.
    Grenzwertbetrachtung hilft: geht die Belastung am Stammfuß bei Aufastung bis zur Stammspitze gegen Unendlich oder eher gegen 0?
    Wenn keine Äste mehr am Baum sind, nur noch der Stamm steht, ist die Belastung am Fußpunkt aufgrund der extrem geringen Angriffsfläche wohl näher an 0 als an unendlich!

    Irgendwann haut es den Baum dann aber doch um, weil er eben tot ist…

    Antworten
  2. Johannes Bilharz
    Johannes Bilharz says:

    Theoretisch hört sich die Antwort von Jan Hoffmann stimmig an, dass die fehlenden Äste keine Angriffsfläche mehr bieten und deshalb die Gefahr geringer werden sollte. Trotzdem ist es genau umgekehrt. Die Gefahr wird größer und das hat Immo Herbst GmbH in seiner Antwort richtig gedeutet: Es liegt an den Schwingungen. Zum dort Gesagten muss man jedoch ergänzen, dass diese Äste nicht nur Energie aufnehmen, sondern vor allen Dingen schwingen. Jeder Ast nimmt Energie auf und wird in Schwingung versetzt, richtig. Solange viele Äste unterschiedlich schwingen, passiert nichts, weil sich das Schwingen des Baumes nicht aufschaukeln kann. Dazu müssten alle im gleichen Takt schwingen und das ist bei vielen Ästen nahezu unmöglich. Je weniger Äste es aber werden und je ungünstiger diese in Bezug auf den Hebel sitzen (ganz ungünstig sind wenige Äste an der Spitze), desto eher kann es zur gefürchteten Resonanzschwingung kommen, d.h. die Äste schwingen harmonisch bzw. im gleichen Takt und schaukeln sich auf. Was in der Musik erwünscht ist (Harmonie), ist bei Bauwerken (vor allem Brücken) oder Bäumen gefährlich (Resonanzfrequenz). Es droht Bruchgefahr. Je mehr Äste vorhanden sind und je mehr sich diese nach unten hin konzentrieren, desto eher bleibt der Baum von dieser gefährlichen Resonanzschwingung verschont. Baumpfleger können das besonders bei Fällung von geraden Fichtenstämmen erleben. Beim Hochgehen nehmen sie die Äste ab. Oben angekommen steht nur noch der Stamm, der dann stückweise von oben nach unten abgetragen wird. Wenn alle Äste weg sind, kann der Baumpfleger an der Spitze fühlen, dass sich der Stamm unsicher anfühlt. Das rührt daher, dass es sehr einfach ist, einen einzelnen Stamm in Schwingung zu versetzen. Solange alle Äste am Stamm sind, hat man das Gefühl nicht. Man schafft es nicht, alle „Schwingungssysteme“ im gleichen Takt schwingen zu lassen. Probiert es einfach aus. Viel Spaß.

    Antworten
  3. Jan Hoffmann
    Jan Hoffmann says:

    Ok. Ich bin von der „statischen“ Seite herangegangen.
    Die Dynamik habe ich nicht betrachtet! Das war wohl mein Fehler.
    Sehr gut beschrieben, vielen Dank.

    Antworten

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