Slackline zwischen Bäumen an einem See

Trendsportart zwischen Bäumen

Verursachen Slacklines Schäden an Bäumen?

Seit der Jahrtausendwende erfreut sich nicht nur unter Kletterern die Trendsportart Slacklinen steigender Beliebtheit. Auf dünnen Seilen und Bändern balancieren die Slackliner von einem Punkt zum anderen und führen sogar Kunststücke aus. Um eine Slackline aufzubauen bedarf es mindestens zweier Punkte, die als Anker dienen. In städtischen Parks oder im Wald, wo die Sportler ihrem Hobby nachgehen, bieten sich Bäume mit ihren dicken Stämmen als Anker an.

Kein Problem für den starken Baum?

Ein Baum macht einen stabilen und festen Eindruck und Holz ist ein robuster Baustoff. So weit, so richtig. Dennoch sind Bäume empfindlich gegenüber Druck und Reibung von außen. Ein Thema, dass auch in Anfangszeit der kletternden Baumpflege nicht unproblematisch war. Mittlerweile schützen Kambiumschoner den Ankerpunkt hoch in der Krone die Astgabel vor Reibung und Druck.

Auch der Wurzelbereich ist sensibel gegenüber äußeren Belastungen. Es ist damit nicht jeder Baum und vor allem nicht zu jeder Jahreszeit für das Slacklinen geeignet. Auch wenn die Szene mittlerweile gegenüber dem Problem des Baumschutzes sensibilisiert ist, gibt es in verschiedenen Städten und Kommunen ein Verbot des Freizeitvergnügens.

Die sensible Baumrinde

Die „Schwachstelle“ der Bäume ist die Rinde und das darunter liegende Kambium. Diese feine und sensible Zellschicht ist für das Dickenwachstum verantwortlich. Die Rinde schützt diese Schicht vor Umwelteinflüssen. Je nach Baumart ist sie unterschiedlich stark ausgeprägt und entsprechend leicht oder schwer verletzlich.

Schäden durch Reibung

Slacklines, die an Bäumen angebracht sind, können den Baum durch Druck und Reibung schädigen. Je nachdem wie die Slackline am Baum angebracht ist, kann die Schlinge oder das Seil am Baum reiben. Die Folge sind Schäden an der Rinde, die bis zum Holz gehen. Durch Scherbelastung kann sich die Rinde des Baumes lösen und Schäden am Kambium entstehen. Diese Belastungen treten auf, wenn sich die Schlinge der Slackline am Baumstamm auf- und ab bewegt und an ihr scheuert.

Die geschädigten Stellen sind Eintrittspforten für Parasiten, Pilze und andere Schädlinge. Ist das Kambium geschädigt, fehlt dem Baum an dieser Stelle seine wichtige Zellbildungsschicht. Diese ist durch den Baum schwer zu ersetzen. Die aufgerissene Wunde verheilt nur schwer. In starken Fällen schafft es der Baum nicht, die Stelle abzuschotten.

Druckschäden an Bäumen

Durch das Spannen der Slackline und der späteren Belastung durch den Sportler, üben die angebrachten Seile und Schlingen Druck auf den Baum aus. Die Slackline quetscht den Bast und das Kambium oder staucht das Gewebe. Im Bast sitzen wichtige Leitungsbahnen, die Wasser und Nährstoffe durch den Baum transportieren. Sind diese dauerhaft geschädigt, kann das den Baum schwächen. Durch zu starken Druck sind ebenfalls Kambiumschäden zu befürchen, die zu den beschrieben schweren und dauerhaften Schäden am Baum führen.

Oft vergessen: Die Wurzel

Ein Baum ist mehr als der sichtbare Teil oberhalb des Bodens. Unter der Erde liegt ein genauso wichtiges und großes Organ des Baumes: Die Wurzel. Schäden durch Slaklines sind auch hier nicht ausgeschlossen. Im Umfeld regelmäßig genutzter Bäume sind Trittverdichtungen möglich. Die Wurzeln sind bei der Aufnahme von Nährstoffen gestört und der Baum ist unterversorgt. Möglich sind zudem Verletzungen des Stammes und der Wurzel durch die Schuhe der Sportler beim spannen der Slackline.

Kleine und dünne Bäume sind besonders gefährdet. Sie biegen sich unter den Kräften von Slackline und Sportler und erleiden Gewebeschäden. Wird die Spannung zu groß, entstehen Risse in der Rinde und die Wurzeln im Boden reißen ab. Das ist schädlich für den Baum und für den Slackliner bedrohlich. Der Baum verliert seine Stabilität und droht umzustürzen.

Rücksichtsvoll am Baum slacken

Mittlerweile gibt es Optionen, eine Slackline ohne Baum aufzubauen. Dennoch sind Slacklines zwischen Bäumen machbar, ohne an diesen große Schäden zu verursachen. Wichtig ist es, die richtigen Bäume auszuwählen, entsprechende Schutzvorrichtungen zu installieren und ein paar einfache Hinweise zu beachten.

Der richtige Baum für die Slackline

  • Der Baum muss ausreichend stark sein. Der Durchmesser liegt über 30 Zentimeter, besser 40 Zentimeter.
  • Am besten einen Baum mit einer dicken Borke, wie Eiche, Pappel oder Robinie wählen. Birken, Buchen oder Ahorn besser für die Slackline meiden. Im Frühjahr und Frühsommer sind diese Baumarten mit dünner Rinde besonders empfindlich und tabu.
  • Der Baum oder die Rinde darf keine sichtbaren Schäden aufweisen.
  • Die Slackline am Abend abbauen und am folgenden Tag andere Bäume verwenden.

Schutz für Baum und Rinde

  • Alle Hersteller von Slacklines führen mittlerweile Schutzmatten in ihrem Sortiment, die die Rinde der Bäume schützen. Diese müssen ausreichend breit sein um den Stamm und die Rinde zu entlasten.
  • Notfalls gehen auch andere Materialien (Teppiche oder dicke Filzmatten), die nicht über den Baum reiben, aber der Schlinge Bewegungsfreiheit geben.
  • Ankerstich zentral platzieren, um Scherkräfte zu vermeiden.

Schutz für die Wurzel

  • Beim Slacken genügend Abstand zum Baum halten. Das schont die Wurzeln im Stammbereich.
  • Nicht am Stamm abstützen, um die Slackline zu spannen.
  • Biegt sich der Stamm sichtbar, ist er nicht geeignet.

Wer diese einfachen Punkte beim Aufbau der Slackline berücksichtigt, der schützt die Bäume bei seinem Lieblingssport. Dennoch spricht nichts dagegen, wo immer möglich, andere Anker für die Slackline zu benutzen. Und wer eine Slackline ohne Baumschutz sieht, darf gern das Gespräch mit deren Benutzer führen und über die Gefahren informieren. Denn oft steckt keine böse Absicht dahinter und die Nutzer sind für den Hinweis dankbar.

Der Autor: Jan Böhm

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Quellen:

  • „Aber bitte mit Baumschutz“, Matthias Held, Alpinwelt 02/12, Seite 28 – 29
  • „Baumschutz bei Slacklines“, Baumpflege Bodensee, Volker Genenz
  • „Naturverträgliches Slacklinen im urbanen Raum“, Jens Brügmann & Jonathan Groß, Vortrag an der Deutschen Sporthochsuchle Köln, 08.06.2010
  • „Machts mit! Baumschutz beim Slacklinen“ (pdf), Flyer des JDAV Bayern
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