Wer ist der Master im Baum? Baumklettermeisterschaften 2014 in Celle

Deutsche Baumklettermeisterschaften 2014Jedes Jahr messen sich die besten Baumklettererinnen und Baumkletterer in nationalen, europäischen und internationalen Wettkämpfen, um untereinander die Beste und den Besten auszumachen. 2014 fanden die 21. Deutschen Baumklettermeisterschaften vom 28. Mai bis zum 1. Juni im Schlosspark in Celle statt. 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten ihre Kraft, Kondition, Geschicklichkeit und ihr berufliches Können unter Beweis. Denn die Baumklettermeisterschaften sind kein sportlicher, sondern ein Berufswettkampf der kletternden Baumpflege. Alle Frauen und Männer, die dort mitmachen, üben das Baumklettern hauptberuflich aus.

Ausrichter: ISA – International Society of Arboriculture

Die Meisterschaften im Baumklettern werden von der ISA ausgerichtet. Die Baumpflege-Gesellschaft ist weltweit organisiert und hat in vielen Ländern lokale Chapter und Partner-Organisationen, die sich um die regionalen Aktivitäten etc. vor Ort kümmern. Die ISA setzt sich für die Belange der professionellen Baumpfleger und die damit zusammenhängende Forschung ein. Außerdem stehen die Förderung von Pflege und Erhaltung der Bäume und des Berufsstandes im Vordergrund. Daneben gehört auch die Organisation der jährlich auf der ganzen Welt stattfindenden Baumklettermeisterschaften zu den Aufgaben. Die deutsche Sektion der ISA ist die ISA Germany e. V., die 1990 gegründet wurde.

Ablauf der Baumklettermeisterschaften

Der grundsätzliche Ablauf der Meisterschaften ist in allen Ländern der Gleiche. In Deutschland gibt es zusätzlich zu den eigentlichen Wettkämpfen noch Vorträge und Workshops rund um die Themen Baumpflege, Baumklettern und Baumkontrolle. Außerdem wird dort seit 2006 der begleitende Wettbewerb „Visuelle Baumkontrolle“ ausgetragen. Denn auch dieser Bereich wird in der professionellen Baumpflege immer wichtiger.

Die eigentlichen Baumklettermeisterschaften sind in die Vorwettkämpfe und die sogenannte Master’s Challenge aufgeteilt. Die Vorwettkämpfe bestehen aus fünf Einzeldisziplinen: Throwline, Footlock, Speedclimb, Workclimb und Areal Rescue. Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit und sportliche Leistung, auch Baum- und Artenschutz und Arbeitssicherheit sind wesentliche Faktoren, die in die Bewertung mit einfließen. Außerdem richten sich alle Wettkämpfe nach dem tatsächlichen Berufsalltag der kletternden Baumpflege. Es werden also Szenarien „nachgespielt“, die so auch in der täglichen Arbeit vorkommen.

Throwline: Wurfleine werfen

Disziplin Baumklettermeisterschaften: ThrowlineUm überhaupt in den Baum hinauf zu gelangen, muss der Kletterer zunächst ein Aufstiegsseil im Baum positionieren. Dabei ist wichtig, dass das Seil so hoch, wie es geht, installiert wird, so dass von diesem Punkt aus möglichst der gesamte Baum erreicht werden kann. Außerdem muss das Seil an einem sicheren Punkt – also einer Astgabel, die das Gewicht des Kletterer locker tragen kann – angebracht werden. Dazu verwenden Baumkletterer sogenannte Wurfleinen und Wurfgewichte, die über eine passende Astgabel geworfen werden. Mit Hilfe der Leine wird dann das eigentliche Aufstiegsseil über die Astgabel gezogen. Bei dieser Disziplin geht es also darum, mit möglichst wenig Würfen zwei Kletterseile in einem markierten Bereich innerhalb der Baumkrone einzuziehen. Je höher, desto mehr Punkte.

Footlock: Fußklemmtechnik

Disziplin Baumklettermeisterschaften: FootlockDas sogenannte Footlocken ist eine spezielle Aufstiegstechnik am Seil. Bei dieser Fußklemmtechnik erklimmt man den Baum, indem man das Seil zwischen die Füße klemmt, dadurch fixiert und sich so nach oben abstoßen kann. Dabei wird der Klemmknoten, mit dem der Kletterer am Seil fixiert ist, ebenfalls mit nach oben geschoben. Anschließend wird das Seil ein Stück weiter oben wieder zwischen die Füße geklemmt, der Klemmknoten verhindert, dass der Kletterer dabei nach unten rutscht. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis man oben angekommen ist. Im Wettkampf müssen die Teilnehmenden an einem bereits installierten Aufstiegsseil mit eigenem Gurt und eigener Klemmknotenschlinge eine Strecke von 15 bzw. zwöf Metern mit Hilfe dieser Technik möglichst schnell bewältigen. Sie sind zusätzlich über ein zweites Seil gesichert. Den Weltrekord hält der Neuseeländer James Kilpatrick mit 13,65 Sekunden auf 15 Meter.

Disziplin Baumklettermeisterschaften: SpeedclimbSpeedclimb: Schnellklettern

Beim Speedclimb müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine vorgegebene Strecke am Baum entlang nach oben klettern. Sie sind zwar mittels eines Fanggurts und einer Leine gesichert. Zum Klettern dürfen sie aber nur die eigene Kraft und Geschicklichkeit und das, was der Baum zur Verfügung stellt, nutzen. Der Zielpunkt liegt in ungefähr 15 Metern Höhe. Wie der Name schon sagt, kommt es auch hier auf die Schnelligkeit an. Um anzuzeigen, dass man oben angekommen ist, muss am Ziel eine Glocke angeschlagen werden. Erst wenn die Glocke läutet, wird die Zeit gestoppt. Das ist übrigens auch beim Footlocken so.

Workclimb: Arbeitsklettern

Disziplin Baumklettermeisterschaften: WorkclimbBeim Workclimb wird eine Arbeitssituation simuliert. Die Kletterinnen und Kletterer müssen innerhalb einer vorgegebenen Zeit einige Arbeitsstationen im Baum mit ihrer eigenen Ausrüstung abklettern. Dabei wird nicht nur das Erreichen bewertet. Auch ob möglichst baumschonend und gut abgesichert geklettert wird, fließt in die Punkte mit ein. An jeder Station befindet sich eine Glocke, die entweder mit der eigenen Handsäge oder einer im Baum hängenden Stangensäge angeschlagen werden muss. Außerdem gibt es manchmal eine Gewichtsstation, bei der mit Hilfe eines an den Ast gehängten Gewichts überprüft wird, wie sehr der Kletternde den Ast belastet und ob möglichst viel seines Eigengewichts im Seil hängt. Hier wird die Zeit gemessen ab dem Zeitpunkt, in dem der Kletternde oben im Baum startet. Gestoppt wird die Zeit in dem Moment, in dem er auf einem vorgegebenen Zielpunkt am Boden landet.

Areal Rescue: Personenrettung

Disziplin Baumklettermeisterschaften: Areal RescueBei dieser Disziplin wird eine Unfallsituation im Baum nachgestellt. Eine Puppe oder ein Helfer simuliert einen verletzten Baumkletterer, der sich oben im Baum befindet und nicht mehr in der Lage ist, alleine herunter zu kommen. Die Aufgabe der Teilnehmenden besteht darin, den Verletzten aus dem Baum zu retten. Auch hier gibt es ein Zeitlimit. Wichtig bei dieser Aufgabe ist, die Lage einzuschätzen und zu beurteilen, Hilfe zu verständigen und den Verletzten möglichst schonend und mittels einer sicheren Rettungstechnik zu Boden zu bringen. Ebenso wie beim Arbeitsklettern zieht auch hier das Verlieren eines Ausrüstungsgegenstandes die sofortige Qualifikation nach sich. Hier beginnt die Zeit in dem Moment abzulaufen, indem der Teilnehmer den Sicherheitskreis betritt. Gestoppt wird, sobald er gemeinsam mit dem Verletzten am Boden ankommt.

Master’s Challenge

Je nach Teilnehmerzahl qualifizieren sich die Besten aus den Vorwettkämpfen für die Master’s Challenge. In diesem Jahr bei den deutschen Baumklettermeisterschaften waren das bei den Männern die ersten Fünf, bei den Frauen die ersten Drei. Im Masters geht es – ähnlich wie beim Workclimb – darum, verschiedene Arbeitsstationen im Baum in einer vorgegebenen Zeit abzuklettern. Auch hier müssen Glocken im Baum mit Handsäge oder Stangensäge angeschlagen werden. Eine Gewichtsstation ist ebenfalls Teil des Parcours. Es wird zudem bewertet, ob mit Rücksicht auf den Baum und mit Blick auf Arbeitssicherheit gearbeitet wird. Das Besondere am Masters ist, dass hier der gesamte Arbeitsvorgang gewertet wird. Die Zeit läuft, sobald die Teilnehmer den Sicherheitskreis rund um den Masters-Baum betreten. Baumkontrolle, Seileinbau, das Abklettern der einzelnen Stationen im Baum und Seilausbau müssen innerhalb der vorgegebenen Zeit absolviert werden. Wird der Parcours nicht komplett in der vorgegebenen Zeit geschafft, werden trotzdem die Arbeitsschritte bis zum Timeout gewertet (so auch beim Arbeitsklettern und bei der Rettung). Der Verlust eines Ausrüstungsgegenstandes oder das Abbrechen eines Astes oberhalb der kritischen Aststärke führen zur sofortigen Disqualifikation. Genau wie bei Workclimb und Areal Rescue gibt es in diesem Fall eine Nullrunde.

Video zu den deutschen Baumklettermeisterschaften 2014

Ergebnisse der Vorwettkämpfe 2014

Die deutschen Baumklettermeisterschaften sind offene Wettkämpfe. Das bedeutet, dass nicht nur Mitglieder des deutschen ISA-Chapters mitmachen können, sondern auch Teilnehmer aus anderen Ländern willkommen sind. In diesem Jahr in Celle kletterten Gäste aus den Niederlanden, Irland, Schottland, Tschechien und sogar aus Kanada, Neuseeland und Australien mit. Die Zahl der internationalen Teilnehmenden ist in den Vorwettkämpfen nicht begrenzt. Für die Master’s Challenge kann sich aber jeweils nur ein Gast qualifizieren. Bei den Männern sah das Ranking nach den Vorwettkämpfen wie folgt aus: James Kilpatrick aus Neuseeland erreichte den 1. Platz und ergatterte so, wie auch schon im vergangenen Jahr, den Gastplatz im Masters. Moritz Theuerkauf, der Titelverteidiger und Ausbilder der Münchner Baumkletterschule war auf Platz 2, gefolgt von Harry Verbeek auf Platz 3, Ronny Epple auf Platz 4 und Gregor Hansch auf Platz 5. Da Harry Verbeek aus den Niederlanden stammt und der Sechstplatzierte Jiri Voda aus Tschechien, konnte sich als vierter Deutscher und fünfter Masters-Teilnehmer Michael Hansch auf Platz 7 qualifizieren. Bei den Frauen ergab sich folgende Masters-Zusammensetzung: Titelverteidigerin Annette Neumann (Platz 1), die Niederländerin Nathalie Pronk (Platz 2) und Frauke Lenz.

Deutsche Meisterin und deutscher Meister 2014

Siegerehrung BaumklettermeisterschaftenDie Frauen starteten zuerst im Masters mit Baumkontrolle, Seileinbau, Abklettern von drei Stationen im Baum und Seilausbau. Dafür hatten sie 30 Minuten Zeit. Am Ende schaffte lediglich Annette Neumann den gesamten Parcours in der vorgegebenen Zeit. Sie konnte sich klar vor Nathalie Pronk auf dem zweiten und Frauke Lenz auf dem dritten Platz durchsetzen. Annette Neumman ist also neue (und alte) deutsche Meisterin 2014. Die Männer machten es spannend: Lediglich Ronny Epple konnte den Masters-Parcours, der im Gegensatz zu den Frauen vier Stationen im Baum beinhaltete, nicht in den vorgegebenen 35 Minuten abschließen. Am Ende gewann James Kilpatrick ganz knapp. Bester Deutscher und somit neuer deutscher Meister im Baumklettern 2014 wurde Michael Hansch. Moritz Theuerkauf erreichte den dritten Platz, dicht gefolgt von Gregor Hansch auf Platz 4 und Ronny Epple auf Platz 5.

Wer gerne selbst einmal bei Baumklettermeisterschaften zuschauen möchte, hat hier in Deutschland die nächste Gelegenheit bei den 2. NRW Baumklettermeisterschaften, der Kletterkrone 2014. Diese finden vom 23. bis zum 25. August 2014 in Witten statt.

Ausführliche Berichte zu den deutschen Baumklettermeisterschaften 2014

•   Ergebnisse und Bilder der dt. Baumklettermeisterschaft ’14, Freeworker, 2. Juni 2014
•   Wer wird Meister im Baumklettern?, NDR „Hallo Niedersachsen“, 1. Juni 2014 (Video)
•   Der sanfte Kampf um die Baumkrone, NDR, 1. Juni 2014 (Bericht und Bilderstrecke)

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern