Blick nach oben in ein Gewirr aus Ästen uns Stämmen der Fuchstanne

Starke Baumtypen

Die Fuchstanne im Diemtigtal

Hoch oben im Berghang steht in einem kleinen Tal des Berner Oberlandes eine der mächtigsten Fichten weltweit. Unter dem Namen Fuchstanne wächst im Naturpark Diemtigtal eine Fichte (Piciea Abies) von beindruckenden Ausmaßen und ungewohnter Statur. Auch wenn der Aufstieg zur Fuchstanne auf 1.500 Meter N.N. beschwerlich ist, erwartet den Baumfreund ein einmaliger Baum.

Äste wie normale Stämme

Fichten aus heimischen Wäldern, das sind meist schlanke, kerzengerade in die Höhe wachsende Bäume mit einer kleinen Krone. Selten finden wir in heimischen Wirtschaftswäldern dicke, alte und knöcherige Fichten. Die Baumart, die 2017 Baum des Jahres ist, gilt als Brotbaum der Forstwirtschaft und dient zuerst der Holzgewinnung. Auch ist das ursprüngliches Verbreitungsgebiet auf die höheren Lagen der Mittelgebirge und Alpen beschränkt. Umso erstaunlicher und ungewohnter ist der Anblick der Fuchstanne, die sich nach wenigen Metern in zehn Stämme verzweigt. Jeder von diesen „Ästen“ wäre in einem normalen Fichtenbestand selbst ein starker Baum.

Mögliche Ursachen für die Mehrstämmigkeit

Die Baumart Fichte entwickelt im Laufe ihres Lebens normalerweise einen schlanken, geraden Stamm. Warum bildete die Fuchstanne aber viele einzelne Stämmlinge aus? Die Antwort lässt sich heute nur wage rekonstruieren. Wahrscheinlich entstanden die vielen Wipfeltriebe nicht auf natürliche Weise. Denkbar wäre, dass der Haupttrieb des junges Baumes stark beschädigt wurde. Mögliche Verursacher sind ein Verbissschaden durch Reh-, Dam- oder Rotwild, Schneebruch, oder auch ein mechanischer Schaden durch Nachbarbäume oder Trittschäden von Tieren. Nach der Verletzung bildete das Bäumchen aus schlafenden Knospen rund um den Haupttrieb mehrere Triebe nach oben aus. Da diese gleichrangig waren, blieben alle erhalten und wurden gleichmäßig dicker.

Daten der Fuchstanne

Es ist nicht leicht die Fuchstanne zu vermessen und nur wenige Quellen liegen über die Maße des beeindruckenden Baumes vor. Der Stamm misst circa zehn Meter Umfang in Brusthöhe und der höchste Einzelstamm erreicht 35 Meter. Die einzelnen „Äste“ der Fuchstanne erreichen Durchmesser zwischen 50 und 100 Zentimetern. Der ganze Baum mit seinen zehn Stämmen verfügt über ein geschätztes Holzvolumen von 40 bis 60 Kubikmetern. Mehr als 450 Jahre hat der Baum benötigt, um diese gewaltigen Ausmaße zu erreichen. Und die Fuchstanne macht den Eindruck, dass noch weitere Jahrhunderte dazukommen. Auch wenn dies bei der Fichte aktuell alles andere als sicher ist.

Warum Fuchstanne und nicht Fuchsfichte?

Der verwirrende Name des Baumes lässt sich auf den regionalen Volksnamen „Rottanne“ zurückführen. Gerade in der Schweiz, dem Standort der „Fuchstanne“, ist der Begriff geläufig für die Baumart Fichte. Die Borke der Fichte ist in jungen Jahren rötlich-braun, was zum irreführenden Namen „Rottanne“ führt. Erst später entwickelt sie eine bräunlich-gräuliche Farbe.

Der Autor: Jan Böhm

„Starke Baumtypen“ im Baumpflegeportal

In unsere Serie stellen wir jeden Monat einen neuen starken Baumtypen vor. Auch Sie können uns Ihre Bilder von einem starken Baumtyp schicken. Senden Sie uns einfach mindestens sechs Bilder und eine kurze Beschreibung des Baums, der Sie am meisten fasziniert hat, an die Redaktion des Baumpflegeportals.

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