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Europäischer Baum des Jahres 2019

Fünfzehn verschiedene Bäume aus Europa stellen sich 2019 zur Wahl zum Europäischen Baum des Jahres. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausrufungen von Pflanzen, Tieren oder Landschaften des Jahres, wählt beim „European Tree of the Year“ keine Fachjury den Sieger. Ab 1. Februar kann jeder an einer Online-Abstimmung teilnehmen und seine Stimme für seinen Favoriten abgeben.

Zur Wahl stehen Bäume, bei denen nicht nur Schönheit oder hohes Alter im Mittelpunkt stehen, sondern Bäume mit Charakter und Geschichte. Der Europäische Baum des Jahres und die weiteren Kandidaten verkörpern zusammen die besondere Bedeutung der Bäume für unsere Umwelt und für uns Menschen. Oft sind diese auf eine einzigartige Weise mit dem Leben der Menschen in ihrer Umgebung verwoben.

Die Kandidaten des European Tree of the Year 2019

Von Portugal bis Russland, von Großbritannien bis Rumänien, die Kandidaten zum Europäischen Baum des Jahres 2019 wachsen quer über den Kontinent an unterschiedlichsten Orten und Plätzen. Wie auch bereits 2018 steht aus organisatorischen Gründen kein Baum aus Deutschland zur Wahl.

Die Symbolischen

Mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen und teilweise biblischem Alter übernehmen Bäume ähnlich Denkmälern symbolische Aufgaben, die Jahrhunderte überdauern. Die Sommerlinde von Zádvoří im tschechischen Velké Opatovice ist eine von 16 Linden der Freiheit, die die Menschen des Ortes nach Ende des ersten Weltkrieges 1918 pflanzten. Sie sind für die Menschen Symbole für Unabhängigkeit und Demokratie.

Der Mandelbaum vor der Kirche „Unserer Lieben Frau vom Schnee“ in Pésc/Ungarn ist mit seiner jährlichen Mandelblüte ein Symbol für ewige Erneuerung und Bildung. Ganz anders ist die Symbolik der großen und Schatten spendenden Steineiche im portugisischen Mértola. Sie ist Teil des einzigartigen mediterranen Produktionssystems „Montado“, das elementar ist für die biologische Vielfalt und Entwicklung der fragilen Gebiete.

Fotos: 1, M. Olbrzymek, 2 S. Krisztián, 3 N. Sequeira

Die Einzigartigen

Bäume, die von der Norm abfallen und anders aussehen als wir es gewohnt sind, faszinieren uns. Sie regen unsere Gedanken an, welche Vorfälle zu ihrem ungewöhnlichen Aussehen führten. Regelmäßig mündet dies in Geschichten und Mythen. Auf Korsika steht die Korkeiche „Arburacellu“, die an einen Raubvogel erinnert, der seine Flügel ausbreitet. Ursache war einst wohl ein Feuer. Seiner besonderen Form verdankt er sein Geheimnis. Je weiter ein Besucher sich ihm nähert, desto mehr fühlt er sich geschützt.

Im polnischen Krasnystaw wächst ein „kniender“ Baum, der einst gefällt werden sollte. Heute ist er ein beliebtes Fotoobjekt und Symbol der Entschlossenheit. „Nellie’s Baum“ in Leeds ist der romantischste Baum Englands. Seine ungewöhnliche Form, die an ein N erinnert, verdankt er einem verliebten jungen Herren, der damit seine Angebetete umwarb.

Fotos: 1, P. Huchette, 2 T. Chuszcza, 3 R. Grange

Die Bedrohten und Bedrohlichen

Auch wertvolle und einzigartige Bäume sind regelmäßig von Axt und Motorsäge bedroht. Manchmal lassen die Umstände keine Wahl, aber dank der Initiative von Bürgern und Naturfreunden werden einige gerettet. Die alte Platane in der Stadt Câmpeni in Rumänien ist dafür ein gutes Beispiel. Die Stieleiche im holländischen Brede, die auf dem Mittelstreifen einer Autobahn wächst, wartet noch auf ihre Rettung.

Die Winterlinde in Raudone in Litauen ist nicht bedroht. Vielmehr ging einst von ihr, beziehungsweise der Metallstange zwischen zwei Stämmen, etwas Bedrohliches aus. Sieben Menschen verloren auf barbarische Weise ihr Leben an dieser Stange. Daraufhin soll sich die Linde in sieben Stämme aufgeteilt haben und erinnert damit bis heute an das grausame Verbrechen.

Fotos: 1, C. Druga, 2 M. Kohn, 3 D. Petrulis

Die Begleiter und Beobachter

Bäume begleiten den Menschen und seine Kultur seit Jahrtausenden. Auch neben repräsentativen, religiösen oder kulturellen Gebäuden stehen die grünen Riesen und übernehmen dekorative oder symbolische Funktionen. Neben dem Staatlichen Museum für Geschichte, Kunst und Literatur Abramtsevo wächst eine mächtige Eiche. In ihren knapp 250 Lebensjahren hat sie viele herausragende russische Kunstschaffende gesehen und diese vielleicht inspiriert.

Oft sind, wie im slowakischen Kopčany, Kirchen und Linden eng miteinander verbunden. Die Linde hat eine lange Tradition in vielen Kulturen und ihr Holz wird auch als „lignum sacrum – Heiliges Holz“ bezeichnet. Eng verbunden mit der Geschichte der Marienkapelle im Dorf Lummen in Belgien ist die dahinterstehende Rotbuche. Der ursprüngliche Baum musste weichen, als die Marienstatue einst auf mysteriöse Weise verschwand.

Fotos: 1, E. Sharykina, 2 M. Babarík, 3 W. Rentmeesters

Die Alten

Natürlich finden sich in den Kandidaten zum Europäischen Baum des Jahres 2019 auch alte und herausragende Bäume, die die Menschen seit Jahrhunderten in ihren Bann ziehen. Eine 382-jährige Ulme ist der Stolz des kleinen Dorfes Navajas in Spanien. Der Baum hat sogar sein eigenes Lied. Im bulgarischen Dorf Rani Lug steht die ehrwürdige Truthahneiche, die Experten auf über 300 Jahre schätzen. Ältester Baum der diesjährigen Auswahl ist eine alte Sommerlinde in Kroatien. Die Gubec-Linde von Gornja Stubica ist über 500 Jahre alt, Zeuge der großen Bauernkriege und heute ein Naturdenkmal.

Fotos: 1, R. Saenz, 2 L. Gyurov, 3 Public Institutions Archive

Mitmachen und Abstimmen

Auf der Webseite des „European Tree oft the Year“ gibt es alle Geschichten hinter den 15 Bäumen und die Chance, seine Stimme für seine Lieblingsbäume abzugeben. Bis zum 28. Februar darf jeder für seine beiden Favoriten je eine Stimme abgeben. Den Baum mit den meisten Stimmen aus ganz Europa küren die Organisatoren am 21. März, dem Tag des Waldes, zum Europäischer Baum des Jahres 2019.

Der Autor: Jan Böhm

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