Begrünter Dachgarten mit Bäumen

Green on Top

Dachbegrünung mit Gehölzen und Bäumen

Bäume, wohin das Auge reicht. Im Park, auf dem Balkon und – auf dem Dach! Von den Häusern sind nur die Fassaden erkennbar, das Luftbild einer Stadt – ein grüner Teppich. Diese Vorstellung ist in einigen Städten schon Realität. Durch gute statische Konstruktionen ist es möglich, Bodenschichten auf Dächer aufzutragen und mit Gräsern, Sträuchern und Bäumen zu bepflanzen. Auch nachträglich lassen sich einige der Varianten auf vorhandene Dächer bauen. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hat sogar positive Eigenschaften für das Haus und die Umwelt.

Verlorene Fläche auf Dächern

Der Trend beim Hausbau geht zum Flachdach. Klare Formen und keine Probleme mit Wandschrägen – oder ganz einfach der fehlende Nutzen für weitere Stockwerke wie bei Kaufhäusern – machen diese Bauform interessant. Die Überlegung, verlorene Grünfläche einfach eine Etage höher zu verlegen, scheint nahezuliegen! Doch erst seit wenigen Jahren kommt dieses Verfahren richtig in Gang. Dieselbe Grundfläche, die ein Gebäude einnimmt, spiegelt sich auf dem Dach wieder. Zudem hat eine Dachbegrünung neben ökologischen Gründen, auch wirtschaftlich positive Effekte. Lässt sich damit der Grünflächenindex – ein paar Meter weiter oben – anheben?

Wirtschaftliche Rentabilität

Großbauten werden ökonomisch optimiert geplant. Steht dabei die teure Dachbegrünung schlecht da? Nein, im Gegenteil. Bauherren sparen durch Dachbegrünungen sogar Geld. Einzelne Gemeinden vergüten begrünte Gebäude, indem sie die Bauherren bei der Entsiegelungsabgabe und bei den Abwasserkosten entlasten. Dachbegrünungen fangen einen Großteil des Niederschlages ein und verdunsten ihn direkt wieder. Der Regen wandert nicht in die Kanalisation. Diese und weitere Fördergelder in Ihrer Region erfragen Sie bei Ihrer Kommune oder bei einem Dachgärtnerverband.

Indirekt spart eine Dachbegrünung auch im Alltag Geld. Durch die Bepflanzung sind Dach und die darunter liegende Dachabdichtung vor UV-Strahlung und Hagelschlag geschützt und benötigen weniger Wartungsarbeiten. Zudem bietet die Dachbegrünung Schall- und Wärmeschutz. Im Sommer wirkt das Dach durch Verdunstung kühlend, im Winter isoliert die Substratschicht zusätzlich. Geringere Heizkosten sind die Folge.

Ökologisch sinnvoll?

Wichtige Grün-Elemente in unseren Städten sind Dachterrassen, grüne Fassaden oder Balkone mit zahlreichen Pflanzen. Der Unterschied zu Dachbegrünungen liegt in einem wichtigen Detail: dem Erdboden! Pflanzen im Topf erbringen nicht dieselben ökologischen Leistungen, wie eine Fläche mit echter Bodenschicht. Sie speichert und verdunstet Regenwasser und kühlt die Luft über der Fläche ab. Dickere Bodenschichten bieten auch großen Pflanzen und, je nach Erdhöhe, Bäumen einen langjährigen natürlichen Lebensraum.

Vorbeugend gegen Insektensterben

Die Zusammensetzung der Trockenrasenarten und Kräuter auf den Dächern bietet Insekten optimale Lebens- und Nahrungsbedingungen. Gerade flugfähige Arten erhalten mit Dachbegrünungen Lebensraumbrücken in stark verbauten Gebieten. Vor allem Wildbienen und Hummeln – gefährdete Arten durch Pestizide und Düngemittel auf landwirtschaftlichen Flächen – könnten hier schon bald einen völlig neuen Lebensraum vorfinden. Die Idee, Bienenvölker auf den grünen Dächern anzusiedeln scheint nicht weit hergeholt und wird bereits praktiziert. Eine Bienenweide hoch oben hat für die Tiere viele Vorteile und bietet uns eine zusätzliche Nutzungsmöglichkeit der Dachflächen.

Bäume auf Dächern – ein Zukunftsgedanke?

Grasdächer sind seit langer Zeit bekannt und mit wenig Aufwand umsetzbar. Aber Bäume? Durch wesentlich dickere Substratschichten und mit den nötigen statischen Voraussetzungen sind auch sie kein Hexenwerk. Zu bestaunen sind Dach-Wälder zum Beispiel auf verschiedenen Hundertwasser-Häusern in Magdeburg, Darmstadt oder Wien. Sie sind so gestaltet, dass auf dem Dach Baumwachstum möglich ist. 250 Sträucher und Bäume wachsen auf der Wohnhausanlage in Wien, Das Haus in Darmstadt bekam eine Wald-Spirale aufs Dach und die Grüne Zitadelle in Magdeburg lässt sogar Großbäume aus speziellen Fenstern wachsen.

Die Schwierigkeit für Bäume auf Dächern

Im Gegenteil zur einfachen Dachbegrünung ist die Bepflanzung mit Großbäumen deutlich aufwendiger. Dickere Substrate, spezielle Pflanztöpfe und strengere statische Voraussetzungen sind nötig, um den Dach-Wald zu realisieren. Mit dem heutigen Wissen durchaus machbar. Auch der ökologische Mehrwert steigt rapide an. Kühleffekt, Schadstofffilterung und Sauerstoffproduktion sind bei Bäumen deutlich höher als bei reinen Grasflächen.

Eine gute Kombination für Bäume und Dachbegrünungen stellen sogenannte grüne Dachgärten dar. Eine Mischung aus begrünten Flächen und Bäumen in extra Pflanztöpfen bilden eine günstige Alternative. Die Töpfe sind günstiger als dicke Substratschichten und lassen sich einfacher austauschen.

Geeignete Gehölze für Dachbegrünungen

Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e. V. (FBB) hat erstmals eine umfassende und fundierte Liste von geeigneten Gehölzen für Dachbegrünungen herausgegeben. Sie gilt als Leitfaden für die Bepflanzung von Dächern und ist aufgeteilt nach Höhe der Gehölze und Wurzelraumdicke. Die Tabellen beinhalten Angaben zum bevorzugten Standort (sonnig, halbschattig, schattig) und zur Bodenbeschaffenheit (alkalisch, neutral, sauer). Ausführlicher werden die Kriterien und Besonderheiten der Arten angesprochen. Die Auswahl kann somit qualitativ hochwertig erfolgen.

Sozialer Vorteil

Gerade Büro- und Wohngebäude setzen auf begehbare Dachbegrünungen. Regelrechte Gärten entstehen hier als Rückzugsort für die Mittagspause, Kundengespräche oder als Gartenersatz. Die Vorteile sind groß. Entspannungsraum ist in der heutigen Zeit sehr wichtig. Grüne Flächen mitten in der Stadt sind wahre Naturoasen und bieten Bewohnern und Angestellten die Möglichkeit, Natur in direkter Nähe zu genießen.

Selbst bei nicht begehbaren Dachbegrünungen ist der positive Effekt auf das Allgemeinbefinden nicht zu vernachlässigen. Der Blick aus dem Bürofenster ins Grüne wird als entspannend beschrieben und lockert den Alltag in der Stadt optisch auf. Auch bei Gebäuden in naturnahen Gebieten ist dieser Effekt vorhanden. Gebäude fügen sich besser in die Umgebung ein und stellen für das Auge keinen Fremdkörper in der Natur dar.

Die Autorin: Marina Winkler

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