Ein Baum der Zukunft

Die Robinie als Stadtbaum

Der Baum des Jahres 2020 – Die Robinie – gilt sowohl als zukünftiger Stadtbaum, als auch als gefährlicher Neophyt. Die Kombination wirft Fragen auf und ist Grundlage intensiver Diskussionen über die Baumart. Die schnell wachsende Robinie ist robust und von wenigen Krankheiten geplagt, verträgt Salz und Schnitt und ist durch ihre schönen Blättern und Blüten optisch reizvoll. Ein Baum, der als Stadtbaum verschiedene Vorteile hat, als Neophyt aber durchaus Nachteile mit sich bringt.

Standortansprüche der robusten Robinie

Was die Robinie im Naturschutz problematisch macht, ist in der Stadtbegrünung ihr Vorteil. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Baumart besiedelt trockene, warme Standorten. Wächst sie in gefährdete Trockenrasen ein, verdrängt sie seltene, heimische Arten. Verstärkt durch den Klimawandel ist die Trockentoleranz in der Stadt dagegen eine wichtige Eigenschaft. Wo andere Bäume durch Nährstoff- und Wassermangel scheitern, ist die Robinie robust und dauerhaft.

Nährstoffe und Wasser in der Stadt

Bäume in belebten Straßen teilen sich den Bodenraum mit Wasserrohren für Trinkwasser und Regenwasser, Stromleitungen und Telefon- sowie Internetkabeln. Was übrig bleibt sind knapp bemessene Pflanzgruben mit begrenztem Volumen an Erde. Pflanzen die Mitarbeiter der Städte und Gemeinden oder der Gartenbaufirma einen Baum entlang von Straßen, achten sie auf eine nährstoffreiche und wasserdurchlässige Bodenmischung, die sie extra für den Baum zusammenstellen.

Mit den Jahren braucht der Baum die in der Erde enthaltenen Nährstoffe auf. Nachschub kommt in der Natur über Regenwasser, Humus aus Laub und Bodenbewuchs sowie über Tierkot oder –kadaver. Einen Großteil der Nährstoffe im Wald liefern symbiotische Pilze an den Baum. In der Stadt ist der einzige Lieferant neuer Nährstoffe der Regen. In den Pflanzgruben breiten sich keine Pilzkulturen aus, die Laub und Bodenvegetation verrottet nicht am Baum und Hundeurin wirkt in großen Mengen schädlich.

Die Robinie düngt sich selbst

Die Robinie hilft sich bei der Lösung dieses Nährstoffproblems selbst. Sie gehört zu den Leguminosen, die den Boden mit Nährstoffen anreichern. Bakterienkolonien siedeln sich in Wurzelknöllchen an und binden den Stickstoff aus der Luft. Das gleiche Prinzip machen sich Landwirte zu Nutzen. In der biologischen Landwirtschaft sind konventionellen Düngemittel verboten. Sie verwenden Leguminosen wie Erbse oder Klee, um ihren Acker zu düngen. Die Robinie nutzt die Stickstofffixierung, um auf kargen Standorten gegenüber anderen Pflanzarten im Vorteil zu sein. Karg ist auch die Pflanzgrube in der Stadt nach einigen Jahren. Für die Robinie aber kein Problem.

Stickstofffixierung

Der Vorgang, bei dem Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft für Pflanzen im Boden verfügbar machen, heißt Stickstofffixierung. Die Bakterien leben in Symbiose mit Leguminosen und manchen Baumarten wie Erle, Robinie und Mangroven.

Die zarte Robinie als Highlight

Die Robinie gefällt Städteplanern und Stadtgärtner nicht nur durch ihre robuste Art, sondern besonders durch ihr hübsches Aussehen. Die feingliedrigen, gefiederten Blätter sind hell- bis mittelgrün und werfen einen lichten, sanften Schatten. Auf Parkplätzen kühlt sie parkende Autos und Boden, ohne dabei durch einen mächtigen Schatten zu stark zu verdunkeln. Im Frühling bilden die weißen, in Trauben herabhängenden Blüten einen wunderbaren Kontrast zum dunklen, rissigen Stamm und den hellen Blättern. Die Robinie wird maximal 25 Meter hoch. Ihre Krone ist schmal und lichtdurchlässig, was sie zum idealen Alleebaum in Wohngegenden macht.

Schnittverträglicher Baum

Robinien vertragen Schnitte besser, als viele andere Bäume. Doch auch bei ihr führt ein kräftiger Rückschnitt unweigerlich zu starkem Neuaustrieb. Die Robinie reagiert zusätzlich mit Wurzelausläufern, was in der Stadt durch die Pflanzgruben weniger problematisch ist. Fachgerechter Schnitt und gute Schnittführung sind bei allen Baumarten Pflicht. Sie verhindern Pilzbefall, helfen dem Baum beim Wundverschluss und sorgen für einen baumphysiologischen Kronenaufbau.

Resistent gegen Schaderreger

Dank ihrer giftigen Blätter und dem harten Holz ist die Robinie gegen die meisten Schädlinge resistent. Bekannt sind aktuell zwei Krankheiten die der Baumart aber nicht besonders stark zusetzen. Die Larven der Robinien-Miniermotte fressen sich zwischen die Blattschichten und entwickeln sich dort zum adulten Tier. Ein Pilz (Phloespora), der hellbraune Flecken auf den Blättern verursacht, befällt bevorzugt Züchtungen wie die Kugelrobinie.

Kleine Vertreter für Plätze und Gärten

Auch für kleine Plätze, Parks oder Hausgärten gibt es geeignete Robiniensorten. Die Kugelrobinie erobert seit geraumer Zeit Straßenzüge und Vorgärten. Der kleine Baum bildet von selbst eine rundliche Baumkrone aus. Je nach Sorte erreicht die Kugelrobinie eine Höhe von vier bis zehn Metern. Viel Schatten trotz geringer Höhe, diese Kombination ist insbesondere in Fußgängerzonen oder Gärten beliebt. Ein jährlicher Rückschnitt der Krone um die Breite einzuschränken, schadet dem Baum nicht, ist aber auch nicht nötig.

Die Autorin: Marina Winkler

Bäume des Jahres auf dem Baumpflegeportal

Baum des Jahres 2010: Die Vogelkirsche – prunus avium
19.März 2020
Europäischer Baum des Jahres 2020
17.März 2020
Baum des Jahres 2011: Die Elsbeere
17.Februar 2020
Baum des Jahres 2020: Die Robinie
24.Oktober 2019
Baum des Jahres 2012: Die Lärche
09.Juli 2019
Europäischer Baum des Jahres 2019: Der Mandelbaum von Pésc
20.März 2019

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