Baum des Jahres 2020:

Die Robinie – Ein invasiver Neophyt

Die Robine – Baum des Jahres 2020 – verleitet zu kontroversen Diskussionen. Der traumhaft Blühende Baum überzeugt als Park- und Stadtbaum und ist für Bienen ein wahrer Gaumenschmaus. Die Schattenseite kommt erst Jahre nach Pflanzung zum Vorschein. Die Robinie verändert den Boden auf dem sie wächst, indem sie wie alle Hülsenfrüchtler Stickstoff im Boden anreichert. Dazu kommt ihre rasche Ausbreitung über Wurzelschosse. Diese beiden Eigenschaften machen die Robinie zur Bedrohung für seltene Standorte wie Magerrasen und Trockenstandorte.

Herkunft der Robinie (Robinia Pseudoacacia)

Ursprünglich stammt die Robinie aus dem Südosten Nordamerikas. Dort wächst sie entlang der Appalachen auf sandigen, felsigen Böden bis 1500 Meter Höhe. Anfang des 17. Jahrhunderts als Zierbaum von Nordamerika nach Europa gebracht, fand sie großen Anklang als Holzlieferant, Bodenstabilisator und Parkbaum. Kontrolliert gepflanzt, breitete sie sich nicht übermäßig aus und ihr problematisches invasives Potential war schwer zu erkennen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg breitete sich die Robinie selbstständig und weitflächig aus. Verlassene Dörfer, brach liegende Felder, fehlende Pflege von Parkanlagen und die Wirren der Nachkriegszeit führten dazu, dass die Baumart sich massiv und ungestört verbreitete.

Die unterirdische Strategie der Robinie

Robinien verbreiten sich sehr schnell. Wie viele Baumarten, blühen Robinien im Frühjahr. Als Pionierbaumart erscheinen die ersten weißen Blüten mit dem rotbraunen Blütenkelch im jungen Alter von sechs Jahren. Viel früher als bei den meisten anderen Baumarten. Ihre Samen sind verhältnismäßig schwer und bleiben nah am Mutterbaum.

Weit bedeutender für die rasante Ausbreitung der Robinie sind ihre Wurzelschosse. Fehlt das Sonnenlicht, damit die Samen am Boden anfangen zu keimen, bildet die Robinie Klone aus ihren Wurzeln. Vom Mutterbaum genährt und damit unabhängig von Nährstoffen und Bodenbedingungen, wachsen die Klone schnell heran und strecken ihr Wurzeln in neue Gebiete. Dort entstehen wieder neue Klone, die sich über Wurzelbrut weiterverbreiten. Mit ihren geringen Bodenansprüchen besiedelt die Robinie auf diese Weise Böden, die normalerweise unwirtlich sind. Kein Wunder, dass früher Eisenbahnunternehmen aufgrund dieser Eigenschaft mit der Robinie die Böschung der Bahndämme befestigten.

Neophyt

Neobiota bezeichnet Arten, welche nach 1942 durch den Menschen in ein Gebiet eingebracht wurden, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. Dabei nennt man Pflanzen Neophyten, Tiere Neozoen und Pilze Neomyceten.

Invasive Art

Eine Art gilt als invasiv, wenn sie in fremde Gegenden vordringt und dort heimische Arten verdrängt. Sie veränder damit das Ökosystem, was eine positive oder eine negative Auswirkung auf die biologische Vielfalt haben kann.

Magere Standorte mögen keinen Stickstoff

Wo die Robinie eingewandert ist, lässt sich der Originalzustand nicht mehr herstellen. Wie die meisten Leguminosen (Hülsenfrüchtler) reichert sie den Boden um ihre Wurzeln herum mit Stickstoff an. Nährstoffarme Standorte wie Magerrasen, Binnendünen oder Sandtrockenrasen sind seltene und wertvolle Ökosysteme. Ihr Erhalt trägt dazu bei, Arten, die auf diesen Lebensraum spezialisiert sind, zu erhalten. Je mehr Stickstoff im Boden gespeichert ist, desto mehr Stickstoff liebende Arten wandern ein. Sie verdrängen die Arten der Magerstandorte.

Hat die Robinie erste einmal einen Standort erobert, lässt sich dieser nicht in seinen ursprünglichen Zustand zurückführen. Selbst wenn es gelingt, alle Bäume und ihre Wurzelbrut zu entfernen, bleibt der überschüssige Stickstoff im Boden. Er verhindert, dass sich seltene Pflanzenarten erneut ansiedeln. Einen derart gedüngten Boden in einen Magerrasen umzuwandeln bedarf jahrelanger Mäharbeiten und ist nur über einen vollständigen Bodenaustausch möglich.

Bekämpfung der Robinie

Hat sich die Robinie in ein Gebiet ausgebreitet, bedarf es viel Aufwand, sie zurück zu drängen. Die Bäume zu fällen, verschlimmert die Situation sogar. Die Robinie treibt aus dem Stock aus und entwickelt zahlreiche Wurzelschosse. Wenige Jahre später ist der Robinienwald dichter als zuvor. Eine wirksame Methode, die Robinie loszuwerden, ist das Ringeln. Entfernen Sie einen Baststreifen von etwa zwanzig Zentimetern Höhe rund um den Stamm. Damit stoppen Sie den Wasser- und Nähstofftransport zwischen Krone und Wurzeln und der Baum stirbt langsam ab.

Die Robinie im Käfig

Trotz ihrer Feldzüge gegen magere Standorte ist die Robinie nicht überall schlecht. Sie überzeugt mit eine wunderschöne Blüte, bietet Bienen früh im Jahr Nahrung und ist durch ihren kleinen Wuchs gut als Straßen- und Parkbaum geeignet. In der Stadt stellt die Fortpflanzung der Robinie kein großes Problem dar. Meist ist sie in Pflanzkübeln im Straßenverkehr eingebettet oder steht in einem Park, der regelmäßig gepflegt wird. In beiden Fällen ist die Gefahr gering, dass sie sich in sensible Standorte ausbreitet.

Im eigenen Garten ist es nicht empfehlenswert, eine Robinie in den Boden zu pflanzen. Wer die schönen Blüten dennoch nicht missen und den Bienen einen Gefallen tun möchte, hält die Robinie im Topf. Schneiden Sie bei jedem Umtopfen die Wurzeln der Robinie leicht zu. Das bremst ihr Wachstum und regt die Bildung neuer Feinwurzeln an.

Die Autorin: Marina Winkler

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Quellen:

  • Dietrich Böhlmann: Gehölzbiologie, Quelle & Mayer, 2013
    erhältlich bei Humanitas
  • Ulrich Hecker: Bäume und Sträucher, Ulmer, 2019
    erhältlich bei Freeworker
  • Bundesamt für Naturschutz: Robinia pseudoacacia
1 Antworten
  1. Sam

    Hallo, ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen und möchte hier einfach mal meinen „Senf dazugeben“, da mich dieses Thema momentan sehr beschäftigt. Ich bin definitiv ein Laie, was Bäume oder die Forstwirtschaft angeht, habe aber meines Erachtens nach ein gutes Auge für Zusammenhänge und bin seit einigen Jahren inkl. abgeschlossener Gärtner-Ausbildung in der Landwirtschaft tätig. Folgendes ist evtl. etwas emotional und ich möchte alle Leser bitten, dies im Hinterkopf zu behalten, falls der ein oder andere Dinge entdeckt, die er für unwahr hält oder die ihn „triggern“. 🙂

    Die Robinie mag ein sogenannter invasiver Neophyt sein, aber nach einigen Jahren (bzw. Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten) würde sie bestimmt wiederum von den heimischen Arten verdrängt, sobald sie ihre Arbeit als zugegeben sehr „enthusiastischer“ Pionierbaum erledigt hätte:
    Ich bin davon überzeugt, dass Neophyten, vor allem Bäume, nur so lange „invasiv“ sind und andere Pflanzen verdrängen, wie suboptimale Bedingungen vorherrschen. Beispielsweise ein gestörtes, wenig artenreiches oder sich auf andere Art und Weise im Ungleichgewicht befindendes Edaphon, zu wenig Humus, zu wenig oder „falscher“ Bewuchs (z. B. Kiefer- oder Fichten-Monokulturen) usw.
    Neophyten oder auch heimische Arten, die sich sehr schnell und teils regelrecht „aggressiv“ vermehren, kann man hier wie manche Krankheitssymptome bei Tieren und Menschen sehen: Sie sind der Versuch, selbige zu heilen bzw. Ausdruck des Heilungsprozesses.
    Wenn unser Körper im Ungleichgewicht ist und wir krank werden, bekommen wir zum Beispiel Fieber. Ein Wald oder auch sonstige Naturflächen bekommt „Unkraut“ oder in Zeiten der Globalisierung eben „invasive Neophyten“. 😉

    Die Natur regelt sich schon selbst. Natürlich ist da erst ein mal ein Rückgang der Artenvielfalt möglich und bezogen auf den Wald eine geringere oder kaum mögliche Holznutzung und ähnliches. Aber man muss ja nicht gleich die gesamte Fläche verwildern lassen. Einfach 5 bis 20 % – je nach wirtschaftlichen Möglichkeiten und Größe des Waldstückes – vollkommen in Ruhe lassen und beobachten und man wird sehen, wie sich alles von selbst wieder reguliert und heilt. Das ist meine Überzeugung.
    Wir Menschen denken immer, wir müssten überall eingreifen und etwas ins Gleichgewicht bringen und übersehen dabei völlig, dass wir genau durch diese Handlungen UNgleichgewicht schaffen und noch mehr zerstören. Natürlich können wir die Artenvielfalt erhöhen und einen Standort noch reicher machen als er es natürlicherweise wäre – das ist etwas anderes. Aber auch das stellt, nebenbei gesagt, wieder eine Art Ungleichgewicht dar oder ist zumindest niemals von Dauer. Der Regenwald im Amazonasgebiet z. B. verliert auch nach und nach (sehr langsam, aber wohl spür- und messbar) etwas von seiner Artenvielfalt – welche vermutlich die Ureinwohner damals, bevor sie auf rätselhafte Weise verschwanden, selbst geschaffen haben. (Anders lässt sich die Ökologie dort mMn nicht erklären)

    Wer also einen Wald „retten“ will, sollte ihn ganz einfach in Ruhe lassen. Ohne Wenn und Aber.
    Die Natur braucht uns nicht, wir aber brauchen die Natur.

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