Baum des Jahres 2015

Der Ahorn in der Mythologie?

„Es wird dieser Baum in Ehren gehalten
wegen seines lustigen Schattens.“

Jakobus Theodorus Tabernaemontanus: Neuw Kreuterbuch (1588)

Mangel an Ernsthaftigkeit

Im Gegensatz zu Eichen scheint der Ahorn keine tragende Rolle in der Mythologie zu spielen. Wie das oben stehende Zitat bereits andeutet, fehlt es ihm wohl an Ernsthaftigkeit. Das Farbenspiel des Ahorns, seine luftig wirkende Krone und sein „lustiger Schatten“ machen ihn zum Luftikus. Deshalb ist er anscheinend von weisen Sprüchen weitestgehend verschont geblieben. Tabernaemontanus spricht ihn in seinem Kräuterbuch aber die Kraft zu, depressive Menschen trösten zu können. Obwohl er also in keiner Mythologie eine Hauptrolle inne hatte, taucht der Ahorn dennoch immer wieder im mythologischen Zusammenhang und in alten Bräuchen auf.

Ahorn in vorchristlicher Zeit

Für die Kelten war der Ahorn ein Symbol für Ganzheit. Sein helles Holz, nahmen die Kelten an, zeige seine innere Reinheit. Sein Blatt, das ebenso wie die menschliche Hand fünffingerig ist, sei ein Zeichen für seine Verbindung zum Menschen. Außerdem wurde der Ahorn wohl häufig an heiligen Orten und kultischen Stätten gepflanzt. Doch wie so oft: Wo Sonne ist, da ist auch Schatten. Denn war der Ahorn verstimmt, konnte er auch Unheil bringen. Deshalb war es üblich, seinen Baumgeistern – den sogenannten Dryaden – etwas zu opfern. Um sie freundlich zu stimmen und auf-, oder besser anzuheitern, verwendete man Bier. Was wiederum hervorragend zum Image des Luftikus passt!

Bei den Griechen symbolisierte der Ahorn gerade nicht die Heiterkeit und Leichtigkeit des Lebens. Denn in der griechischen Mythologie war er dem Kriegsgott Ares geweiht. Auch das trojanische Pferd, dessen Geschichte eher von Krieg und Blutvergießen erzählt, soll aus seinem Holz gewesen sein.

Ahorn als Zeichen der Harmonie

Prinzipiell ist der Ahorn ein Zeichen für Harmonie und die Vereinigung von Gegensätzen. Er soll Ruhe und Gelassenheit schenken und die Gedanken klären. Außerdem wurde ihm nachgesagt, dass er Hexen und allerlei böse Geister vertreiben und sogar bösen Zauber abwehren könne. In manchen Teilen Deutschlands war es üblich, die Türschwellen von Wohnhäusern und Ställen mit Zapfen aus Ahornholz zu bestücken. So konnte das Böse nicht hinein. Wem das noch zu wenig war, der stellte außerdem noch Ahornzweige an Fenster und Türen: Seine Blätter erinnern an zur Abwehr gespreizte Hände. Selbst vor Blitzeinschlägen sollte der Ahorn schützen.

Die Autorin: Elisabeth Morgenstern

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Quellen:

  • Susanne Fischer-Rizzi: Blätter von Bäumen. Heilkraft und Mythos einheimischer Bäume. Baden, München 2013, S. 9-14
    erhältlich bei Freeworker
  • Elmar Woelm: Mythologie, Bedeutung und Wesen unserer Bäume. Münster 2006, S. 15-18
  • Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF): Beiträge zum Bergahorn. LWF Wissen 62, Freising 2009, S. 66-70