Ein Baumpfleger klettert über einen Ast und schneidet mit der Handsäge

Die Frage:

Wie wird man eigentlich Baumpfleger?

Es geht um die Aus- beziehungsweise. Weiterbildung zum Baumpfleger. Ich bin von Beruf Gärtner, Fachrichtung Baumschule, und nun seit sechs Jahren in einer Baumschule tätig. Mein Interesse für Bäume und deren Erziehung und Pflege ist mit den Jahren immer größer geworden, so dass ich mich gerne der Baumpflege im großen Stil widmen würde.

Einige Informationen zur Weiterbildung zum Baumpfleger konnte ich bisher über das Internet und Fachbücher sammeln. Einen kompletten Überblick über die ganzen notwendigen Module / Lehrgänge, die als Voraussetzung zur Prüfung zum Baumpfleger notwendig sind, habe ich bislang aber nicht.

Können Sie mir weiterhelfen, wie ich ein qualifizierter Baumpfleger werde? Besteht eventuell auch eine Beratungsmöglichkeit?

Die Antwort:

Fortbildungen zum Baumpfleger mehr gefordert

Prinzipiell kann jeder Baumpflege betreiben, ob er es gelernt hat oder nicht. Gut für das Geschäft, schlecht für die Bäume. Es gibt aber inzwischen viele Möglichkeiten, sich mit anerkannten Fortbildungen in der Baumpflege zu qualifizieren. Diese Qualifikationen werden auch immer häufiger von Auftraggebern gefordert, insbesondere von Kommunen.

Es mag verwundern, dass es noch keine eigenständige Berufsausbildung für Baumpfleger gibt und es auch aus vielfältigen Gründen wahrscheinlich nicht so schnell dazu kommen wird. Sollte dies jemals der Fall sein, wäre der Beruf aber trotzdem nicht davor geschützt, dass Ungelernte gewerblich Bäume schneiden. Gärtner oder Garten- und Landschaftsbauer ist zwar eine geschützte Berufsbezeichnung mit anerkannter Ausbildung. Trotzdem darf auch dort jeder die Dienstleistung anbieten, auch ohne Ausbildung. Lediglich die Berufsbezeichnung darf er nicht führen.

Quereinsteiger in die Baumpflege

Einen beruflichen Schutz gibt es nur für zulassungspflichtige Handwerker wie Schornsteinfeger oder Augenoptiker. Das wird sich aber im Zuge der Europäisierung sicherlich ändern, sofern das nicht sowieso bereits der Fall ist (zum Beispiel: Lockerung des Kehrmonopols). Die „Aufweichung“ des Schutzes, die Duldung oder Erlaubnis, auch ohne anerkannte Berufsausbildung eine Tätigkeit auszuüben, birgt zwar einerseits die Gefahr, dass Dilettanten ans Werk gehen. Davor ist man in geschützten Berufen aber auch nicht gefeit. Andererseits eröffnet es Quereinsteigern, die Talent, Berufung und Motivation mitbringen, die Chance, sich einzubringen und zu entfalten. Wie heißt es so schön? Viele Wege führen nach Rom bzw. zur guten Baumpflege.

Keine geschützte Berufbezeichnung

Ich selbst bin davon überzeugt, dass eine Berufsausbildung kein Garant für gute Baumpflege ist, sondern es immer die Menschen selbst sind und deren Bereitschaft, sich weiter zu entwickeln und besser zu werden. Das jetzige System bietet sogar noch weitaus mehr Qualitätspotential. Denn die Ausbildung zum „Fachagrarwirt Baumpflege“ baut zum Beispiel auf grünen Lehrberufen auf. Das bedeutet, dass man die biologischen Grundlagen in einem grünen Beruf erlernt und anschließend noch die Baumpflege dazu kommt. Das ist mehr als eine Lehre.

Geschützt ist die Berufsbezeichnung Baumpfleger/in zwar nicht, aber die Baumpflege hat es geschafft, als eigenständiges Berufsfeld wahrgenommen zu werden. Klassisch baut es auf dem Garten- und Landschaftsbau auf. Der Quereinstieg ist aber auch möglich. Wer verantwortungsvoll an die Sache herangeht, dem bieten sich inzwischen viele Wege zum qualifizierten Baumpfleger.

Weiterbildungsangebote in drei Kategorien:

  1. Zugangstechniken und Arbeitsverfahren (z.B. Seilkletterkurse, Motorsägenkurse)
  2. National und international anerkannte Qualifizierungen: Zertifizierter Baumkontrolleur (ZBK), European Tree Worker (ETW), European Tree Technician (ETT), Fachagrarwirt Baumpflege / Baumsanierung (FAW), Arboristik-Studium
  3. Zusatzkurse zu speziellen Themen wie Baumschnitt, Baumkontrolle, Sachverständigentätigkeit, Gehölzwertermittlung
Die vielfältigen Ausrüstungsgegenstände eines Baumkletterers und Baumpflegerss

Empfehlungen für Quereinsteiger

Für Sie als Quereinsteiger aus der Branche empfiehlt Tanja Sachs, Referentin und Sachverständige für Baumpflege:

  1. SKT-A-Kurs (Seilklettertechnik-Kurs für Einsteiger)
  2. Intensive Baumpflegeausbildung z. B. als European Tree Worker oder Fachargarwirt Baumpflege
  3. SKT-B-Kurs (Seilklettertechnik-Kurs für Fortgeschrittene)

Natürlich empfiehlt es sich, auch nach diesem dreistufigen Berufseinstieg am Ball zu bleiben und weitere Kurse zu besuchen. Ein vielseitiges, umfangreiches Kurs-Angebot und telefonische Beratung erhalten Sie bei der Münchner Baumkletterschule.

Die Autoren: Johannes Bilharz (Münchner Baumkletterschule), Tanja Sachs (Sachverständige für Baumpflege)

Weiterführende Informationen rund um das Thema im Kletterblatt:

Baumpfleger vor Ort mit dem Baumpflegeportal finden

Das Baumpflegeportal unterstützt Laien bei der Suche nach qualifizierten oder geeigneten Baumpfleger . In den Suchergebnissen werden nicht nur Ort und Tätigkeit angezeigt, sondern auch Qualifizierung und Leistungsspektrum.